Johann und Elise Thalmann aus Meckbach sind seit 65 Jahren verheiratet

Die Liebe kam bei der Arbeit

Elise und Johann Thalmann feiern heute mit einem Festgottesdienst, bei dem auch der vom Jubilar wiederbegründete Männergesangverein Meckbach mitwirken wird. Foto: Apel

Meckbach. Auf 65 Ehejahre zurückblicken können heute in Meckbach Johann und Elise Thalmann, geborene Braun.

Hans, wie eigentlich alle zu dem am 6. November 1927 in Moragy (Kreis Tolna, Ungarn) auf die Welt gekommenen, lebensfrohen 88-Jährigen sagen, erlebte eine glückliche Kindheit – auf einem von den Vorfahren der „öden Türkei“ abgerungenen, donauschwäbischen Bauernhof. Nach der Schule erlernte er das Friseurhandwerk, aber schon bald rief das Vaterland.

1945 geriet er in amerikanische Gefangenschaft, aus der er nach Hause entlassen wurde. Um die Familie vor der Deportation nach Sibirien zu bewahren, musste er sich in einem Strohschober verstecken.

Noch vor der allgemeinen Vertreibung der Ungarndeutschen flüchtete er mit den Eltern, der Großmutter und der jüngeren Schwester zu Fuß in Richtung Wien, von wo aus er über verschiedene Lager nach Meckbach gelangte. Hierhin hatte es bereits die Schwester der Mutter verschlagen.

Erster Zufluchtsort war eine kleine Wohnung in der Meckbacher Schule, erster Arbeitsplatz war die „Jute“ in der Kreisstadt. In der Tuchfabrik Rehn lernte er 1950 Ehefrau Elise kennen, die am 15. Juni 1933 als Tochter der Eheleute Kaspar und Christine Braun (geborene Völker) in Asbach auf die Welt gekommen war. Schon mit acht Jahren hatte sie bei einem Dreschmaschinenunfall ihren Vater verloren, und natürlich hatte sie miterlebt, wie Asbach von den Amerikanern beschossen wurde.

„Wir haben uns füreinander interessiert und irgendwie hat’s dann geklappt, obwohl wir zunächst gar nicht wussten, wo wir wohnen sollten“, erzählt sie.

Knapp zwei Jahre lang war die kleine Wohnung ihrer Mutter das Heim des jungen Paares, ehe es erneut nach Meckbach ging, wo Hans und Liesel, unterstützt von Johanns Eltern und vielen guten Freunden, im Rehwinkel ein komplett in Eigenleistung errichtetes Haus bezogen. Jahrzehntelang war es ein Vier-Generationen-Haus, in das neben dem ältesten Sohn Bernd auch die weiteren Söhne Walter und Frank geboren wurden.

Beruflich ging es für Johann 1957 als Kraftfahrer beim Bad Hersfelder Straßenbauunternehmen Kirchner und 1972 als Auslieferungsfahrer bei Büro-Mattheus weiter. Elise sorgte für die Kinder und ab 1959 auch für Mutter Christine. Darüber hinaus arbeitete sie rund um Meckbach im Wald und einige Jahre lang in der HA-WE-GE. Ihre größte Freude war es, beim Großziehen ihrer sechs Enkelkinder helfen zu können, zu denen inzwischen sechs Urenkel gekommen sind.

Für Freizeit und Urlaub nahm sich das Jubelpaar wenig Zeit, wenn man davon absieht, dass Hans zu den Wiederbegründern des Männergesangvereins Meckbach gehört und 64 Jahre lang aktiver Sänger war. Auch als „Zerrwanst-Spieler“ und langjähriger Mitorganisator der Treffen der hier ansässig gewordenen Ungarndeutschen ist er bekannt. Augenzwinkernd erzählt er, dass er den Paprika nach Meckbach gebracht und mit anderen dafür gesorgt hat, dass der Kleingartenverein für seine Krautknödel berühmt war.

Einziges Hobby von Liesel war ihr rund ums Haus angelegtes Meer von Blumen, deren Strahlen sich in den Augen der beiden „Eisernen“ verewigt zu haben scheint. Nach dem Rezept für ihre glückliche Ehe befragt, sind sich die Senioren einig: „Unsere Armut und unsere gemeinsame Arbeit haben uns zusammengeschweißt und uns trotz allem schöne Jahre erleben lassen!“

Von Wilfried Apel

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