Er kämpfte in Stalingrad

Seit 70 Jahren wird Georg Apel aus Mecklar vermisst

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Neben der Inschrift am Ehrenmal erinnert der Grabstein der Eltern auf dem alten Teil des Mecklarer Friedhofs an den seit 70 Jahren vermissten Georg Apel: „In treuem Gedenken an unseren lieben Sohn Georg Apel, *10.8.1922, vermisst 24.12.1942 in Stalingrad.“

Mecklar. Wenn heute überall auf der Welt die Geburt Jesu Christi gefeiert wird, werden einige Menschen Bilder ganz eigener Art vor Augen haben. Dann werden Frauen und Männer an den gefallenen oder vermissten Ehemann, Vater und Angehörigen denken, der vor 70 Jahren „Kriegsweihnachten“ feiern musste.

Der im Schützengraben Wache hielt, der im russischen Winter vor sich hin fror, der in den Ruinen von Stalingrad verzweifelt um sein Leben kämpfte. Dem vielleicht allein die vom Kasseler Pfarrer und Arzt Dr. Kurt Reuber gezeichnete Madonna von Stalingrad ein Trost war.

Georg war „ein schlaues Kerlchen“, aber eines Tages musste er „bei die Soldaten“.

Erika Holl, 80 Jahre

Einer von vielen Soldaten aus dem Hersfeld-Rotenburger Land, der in der von Adolf Hitler heraufbeschworenen Hölle an der Wolga ausharren musste, war der am 10. August 1922 geborene Georg Apel aus Mecklar.

„Waahnerwilms Schorsch“, wie er im Dorf genannt wurde, war das einzige Kind von Adam und Elisabeth Apel geb. Hassenpflug. Die aus Mecklar und Tann stammenden Eheleute hatten sich ganz in der Nähe von Adams Elternhaus auf einem kargen Stück Land, das Adam „von daheim“ mitbekommen hatte, ein Häuschen gebaut.

Durchlittene Qualen

Seine Nachbarin, die heute 80 Jahre alte Erika Holl geborene Wolf, erinnert sich, dass Georg „ein schlaues Kerlchen“ war, dass er auf der Aufbauschule in Rotenburg Abitur machen wollte und wohl auch gemacht hat. „Eines Tages hieß es dann, er muss bei die Soldaten.“ Danach hat sie ihn nicht mehr gesehen.

Welche Qualen „Tante Apel“ durchlitten hat, als sie erfahren hat, dass ihr Sohn vermisst wird, kann sie – ihr eigenes Schicksal vor Augen – gut nachempfinden. Ihr Vater Georg Wolf wurde 1944 eingezogen und nach nur vierwöchiger Ausbildung an den Weichselbogen abkommandiert.

Mit 20 Jahren zog er in den Krieg und kehrte nie zurück: Georg Apel

Von in Bebra arbeitenden Eisenbahnkollegen des Vaters erhielt ihre Mutter irgendwann die Nachricht, dass sie ihren Ehemann zu einer bestimmten Uhrzeit noch einmal am Zug sehen könne. „Natürlich ist sie zu ihm hingefahren, und zu Hause hat sie dann fürchterlich geweint.“ Mutter Martha und ihre beiden Töchter sollten ihren Ehemann und Vater nie wiedersehen, sie wissen bis heute nicht, wo er gefallen ist.

Georg Apels Schulkameradin Katharina Pfaff geborene Horn, die mit ihren 91 Jahren zu den Ältesten in Mecklar gehört, beschreibt „Schorsch“ als eher zurückhaltenden, vernünftigen, guten Jungen. „Er war weiter als wir und interessierte sich mehr fürs Lernen als fürs Tanzen. Seine Mutter war immer nett zu uns, wenn wir ihn mal besucht haben.“

Im Gegensatz zu Georg hatte Katharinas Bruder Heinrich „Glück“: „Er sollte auch nach Stalingrad und hat sogar noch Päckchen mitgegeben bekommen. Er ist aber nicht mehr in den Kessel reingekommen. Später geriet er in Ägypten für fünf Jahre in Gefangenschaft.“

Die 87-jährige Martha Miltenberger ist die wohl letzte Kriegerwitwe im Dorf. Sie wohnt in Sichtweite von Georgs Geburtshaus, das inzwischen einem Großneffen von Georgs Vater gehört. Sie berichtet, dass „der Schorsch“ in Ordnung gewesen sei, dass man aber „nicht allzu viel zusammen gemacht“ habe.

Schmunzelnd fügt sie hinzu: „Es wurde mal erzählt, dass er ein Auge auf mich geworfen hätte. Davon habe ich aber nichts mitgekriegt!“ „Leimbachs Martha“, unter diesem Namen kennt man sie, heiratete am 11. November 1944 Anton Miltenberger.

Er wurde am 12. Februar 1945 nach Erfurt versetzt. Danach hat sie nie wieder etwas von ihm gehört. Auch er ist bis heute verschollen. unten

Von Wilfried Apel

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