Tanner Theatergruppe begeistert mit „So ein Theater“ in der Besengrundhalle

Das Leben als Wundertüte

Blumen fürs Ensemble: Alle Schauspieler, Techniker, Hintergrundakteure und die jungen Tänzerinnen der Volkstanzgruppe stehen gemeinsam auf der Bühne. Fotos: Apel

Tann. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Dieses Fazit könnte man nach dem neuesten, einmal mehr mit großem Spielwitz überzeugenden Stück des Ludwigsauer „Schmidt-Theaters“ ziehen.

Es geht schnell und turbulent in Medias Res, denn es ist nicht mehr viel Zeit bis zum 60. Geburtstag von Emmi (Brunhilde Schuch), dem von ihren drei Töchtern nebst Anhang nur wenig geschätzten Familienoberhaupt. Dabei hat Tochter Betty (Kathrin Schuch) Probleme mit Ehemann Max (Michael Dinger). Dabei leidet Tochter Maren (Beate Dick) an chronischer Geldknappheit und der mit ihr in wilder Ehe zusammenlebende „Viertel-Prozent-Schwiegersohn“ Chris (Helgo Pfau) will Emmi natürlich auch keine Lobrede halten. Nur Tochter Carolin (Anna Maria Löwing) scheint einigermaßen „problemlos“ zu sein.

Das gilt nicht für die sich nach Spaß und ersten Liebesabenteuern sehnende Tochter Kaya (Leonie Dick) von Maren und die ihr nicht immer wohlgesonnene, jüngere Tochter Lisa (Anna Lena Dick) von Chris. In dieser Patchwork-Beziehung rumort es und auch deshalb kommt Kaya bei ihrem „Fehlgriff“ Fynn (Tobias Schönhauer) nicht so recht zum Zuge. Trotzdem bringt sich Fynn in die Geburtstagsvorbereitungen ein. Er sorgt für die Dekoration, für die zunächst auch der sehr schwul daherkommende, mit einschlägiger Gestik beim Publikum großes Amüsement auslösende Gärtner Dieter (Karl-Heinz Bickhardt) zuständig ist. Als es dann aber ernst werden soll, holt er seine Blumenpracht wieder ab.

Und auch ansonsten geht alles schief - trotz eingehender Planungen und Kleideranproben, bei denen die unverwüstliche und wie gewohnt urkomisch auftretende Brunhilde Schuch zeigen kann, was sie drauf hat. Oder drunter, denn die Nacht vor dem großen Ereignis möchte sie, um ihre Aufregung zu bekämpfen, bei Tochter Maren verbringen. An Pariser Can-Can-Tänzerinnen erinnernde, knallrote Reizwäsche hat sie vorsorglich angelegt.

Zum guten Schluss taucht Emmis Jugendfreund Walter (Timo Schönhauer) als Retter auf. Das Publikum in der sehr gut besetzten Besengrundhalle dankt mit Zugabe-Rufen und Riesenapplaus, den sich die Tanner Laienspielerschar, die jungen Tänzerinnen der Volkstanzgruppe und die an allen Ecken und Enden agierende „Schmidten“ redlich verdient haben.

Eine weitere Aufführung gibt es am Freitag, 1. November, 19.30 Uhr, in der Besengrundhalle anschauen. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Von Wilfried Apel

Kommentare