Parlament in Ludwigsau diskutiert über Ausbau der Betreuungseinrichtungen

Kinder klein, Sorgen groß

Aus alt mach neu: Der Kindergarten am Akazienweg (oben) soll nach Vorschlag des Architekten Albert Hess erweitert werden. Doch dafür fehlen Platz und Geld. Platz gäbe es nur am „Piratennest“ (kleines Bild), doch von einem Anbau rät Hess ab. Jetzt soll eine neues Gutachten für Klarheit sorgen. Fotos: Struthoff

Ludwigsau. Die gute Nachricht zuerst: In Ludwigsau steigen die Geburtenzahlen – derzeit kommen etwa 94 Babies pro Jahr zur Welt, Tendenz steigend. Ab kommendem Jahr müssen die Gemeinden nun per Gesetz für Kinder unter drei Jahre entsprechende Krippenangebote vorhalten.

16 Plätze fehlen

Hier kommt die schlechte Nachricht: In Ludwigsau fehlen nach derzeitigem Stand mindestens 16 Betreuungsplätze – wobei keiner weiß, wie fruchtbar die Gemeinde in Zukunft sein wird. Deshalb wird jetzt ein An- oder Ausbau der bestehenden Einrichtungen in Akazienweg in Friedlos diskutiert. Die Gemeindevertreter lieferten sich dazu in ihrer Sitzung am Montagabend eine engagierte Diskussion.

Eigentlich war geplant, das Piratennest zu erweitern. Allerdings kommt ein Gutachten des Neuensteiner Architekten Albert Hess zu dem Schluss, dass ein solcher Anbau an die frühere Holzkirche aus Brandschutz-, Sanitär- und Wärmedämmungsgründen „finanziell unverhältnismäßig hoch“ wäre.

Hess schlägt deshalb vor, den Kindergarten, der nur einige Häuser weiter liegt, zu erweitern – Kostenpunkt: 650 000 Euro Oberkante. Die Gemeindevertreter indes sind skeptisch und haben nun mit der SPD-Mehrheit und gegen die Stimmen der CDU beschlossen, zwei weitere unabhängige Gutachten einholen zu lassen, die maximal 10 000 Euro kosten sollen.

Lukrativer Auftrag

SPD-Fraktionschef Rainer Koch argumentierte, der Ausbau des Kindergartens würde viel teuerer werden als der des Piratennests, weil dort auch der Altbau saniert werden müsse. Koch deutete an, dass der Architekt deshalb gegen das Vorhaben am Piratennest votiere, weil er auf den lukrativeren Auftrag nebenan hoffe. Im Protokoll des Haupt- und Finanzausschusses ist deshalb sogar von „Misstrauen“ gegen den Architekten die Rede, was Koch so allerdings nicht stehen lassen wollte.

Für die CDU mahnte indes Heinrich Fink, „wir sollten zu dem Architekten stehen“, wollte seinerseits aber mit zusätzlichen Gutachten den Umbau beider Einrichtungen erneut prüfen lassen. Das lehnte die SPD ab.

Kein Platz für Ausbau

Bürgermeister Thomas Baumann griff dann in die Diskussion ein und erklärte, dass am Akazienweg wegen der dichten Bebauung, kein Platz für einen Ausbau ist. „Wir können das Gelände ja nicht aufblasen.“ Momentan könne die Gemeinde sinnvoll nur das Piratennest angehen, „für alles andere fehlen Platz und Geld.“ Er plädierte ebenfalls dafür, ein neues Gutachten einzuholen und so den Weg eines „offenen Verfahrens“ zu gehen.

Jetzt haben also zunächst die Gutachter das Wort.

Von Kai A. Struthoff

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