250 Dinge, die wir an der Region mögen (74): Die Mecklarer Grüne Soße

Jetzt sprießen die Kräuter

Die Grüne Soße ist nicht nur zu Ostern ein Genuss. Auch nach Ostern verzehren Feinschmecker sie gerne. Vor allem mit Kräutern aus dem eigenen Garten. Foto: Apel

mecklar. Ihre Liebhaber sind sich uneins, wann man sie zum ersten Mal isst: Am Gründonnerstag, weil „Grüne Soße“ an diesem Tag schon vom Namen her scheinbar dazugehört, oder in der Woche nach Ostern, weil es dann Zeit wird, die nach alter Tradition gefärbten und von Kindern vielerorts auch heute noch in der Nachbarschaft „gesammelten“ Ostereier zu verarbeiten. Wie dem auch sei: Der eigentliche Clou, das A und O der Grünen Soße, sind Kräuter aus dem eigenen Garten!

Mit denen sieht es in diesem Jahr noch schlecht aus. Erst jetzt beginnen sie zu sprießen, und deshalb muss man sich, wenn man ganz echte Grüne Soße genießen will, eigentlich noch ein klein wenig gedulden.

Wer nicht länger warten will oder keinen Garten hat, kann allerdings auch auf „Grünzeug“ aus jeder gut geführten Obst- und Gemüseabteilung zurückgreifen. Oder auf fix und fertig abgepackte frische Kräuter für „Frankfurter Grüne Soße“. Die gibt es seit einigen Jahren sogar tiefgekühlt - ganz spezielle oder ganz normale als preiswerte Kräutermischung aus dem Supermarkt.

Das Wichtigste bei der Mecklarer Grünen Soße, wie ich sie von meiner Mutter kenne, sind Schnittlauch und Schlotten (Stiele von Lauchzwiebeln). Sie geben ihr die einmalige, unnachahmliche Würze. Man schneidet sie in feine Ringe und gibt sie mit klein gehackter Petersilie, Zitronenmelisse, Kerbel, Pimpinelle und Borretsch in eine große Schüssel. Wichtig für kräftigen Geschmack ist auch Sauerampfer, der ebenfalls fein gehackt werden muss. Wer will, kann außerdem junge Löwenzahnblätter verwenden, denn was Hasen schmeckt, schmeckt auch Menschen.

In der Schüssel gibt man zu den Kräutern Salz, etwas Pfeffer, etwas weißen Weinessig und ein paar ordentliche Spritzer Zitronensaft. Ganz wichtig ist Zucker, denn nur mit ihm entsteht der kräftig süß-saure Geschmack der Soße. Sinnvollerweise vermengt man das Ganze und lässt es dann eine Zeitlang ziehen.

Dickmilch oder Schmand

Damit aus der schon bald herrlich duftenden, gewürzten Kräutermasse eine Soße wird, die man zu frisch zubereiteten Pellkartoffeln (oder auch Salzkartoffeln) isst, fügt man mehr oder weniger sahnige „dicke Milch“ hinzu. Je nach Lust und Figur kann das Dickmilch, saure Sahne, Schmand, Joghurt oder auch Quark sein. Es ist, wie es immer ist: Je mehr Prozente, desto besser schmeckt es!

Weiteres Kennzeichen der Mecklarer Grünen Soße sind die hartgekochten Eier, die, mit dem Eierschneider kleingeschnitten, in Scheiben in die Masse gegeben und mit dieser – und einem ordentlichen Löffel Senf, der dem Ganzen noch etwas Farbe gibt – umgerührt werden.

Damit alles schön aussieht, dekoriert man die Grüne Soße mit ein paar dafür aufgehobenen, besonders gelben Eierscheiben und Schnittlauch- oder Schlottenringen. Dann lässt man das Ganze noch eine Zeitlang ziehen, ehe es ans Genießen geht. Goethe wäre mit Sicherheit begeistert – auch wenn ihn die Frankfurter für ihre, noch grünere Variante der Grünen Soße in Anspruch nehmen.

Von Wilfried Apel

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