Wochenendporträt: Werner Schnitzlein aus Friedlos wird als Prädikant verabschiedet

Jahrzehnte für die Kirche aktiv

Werner Schnitzlein wird am Sonntag 75 Jahre alt. Foto: Apel

Friedlos. Dass einer wie er in den Ruhestand tritt, kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen. Und doch: Am Sonntag wird Werner Schnitzlein 75 Jahre alt und angesichts dessen aus Altersgründen als Prädikant der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck von Dekan Dr. Frank Hofmann und Pfarrer Jörg Scheer in der Friedloser Kirche verabschiedet.

Allein schon wenn man bedenkt, dass Dr. Hofmann der Nach-Nach-Nach-Nachfolger von Dekan Hermann Käberich ist, in dessen Amtszeit Schnitzlein 1968 zum Lektor berufen wurde, kann man ermessen, wie lange der 1939 in Dortmund Geborene für seine Kirche gewirkt hat. Dabei wurde dem Sohn eines Bierbrauers nicht unbedingt in die Wiege gelegt, dass er es 1978 zu einem der damals in der Landeskirche noch recht knapp gesäten Prädikanten – also zu einer Art Laienprediger mit dem Recht der freien Wortverkündigung und der Sakramentsverwaltung – und zu einem auf unglaublich vielen Ebenen ehrenamtlich Tätigen bringen würde.

Kindheit flog in die Luft

Seine Kindheit flog im Oktober des Kriegsjahres 1944, als in seinem Elternhaus bei einem der zahlreichen Luftangriffe auf die Westfalenmetropole eine Bombe explodierte, in die Luft. Was folgte, waren harte Zeiten, Schulbesuch, Lehre, Studium und die Diplomierung als Betriebswirt. Von 1953 bis 1966 galt seine Liebe dem CVJM, bei dem er als einer der jüngsten Vorsitzenden Dortmunds in die Geschichte einging. 1966 verschlug es ihn nach Bad Hersfeld, wo er 14 Jahre lang bei der damals noch selbstständigen Firma Schilde für Elektronische Datenverarbeitung und Organisation zuständig war.

1980 machte Schnitzlein sein Hobby zum Beruf. Als Nachfolger des unvergessenen Sprengelobmanns Kurt Peters kümmerte er sich vor allem um die Arbeit mit Männern, Kirchenvorständen und Lektoren. Generationen von Lektoren sind bei ihm „in die Schule“ gegangen und vorbereitet worden auf ihren angesichts immer größer werdender Sparzwänge immer wichtiger werdenden Dienst in den Gemeinden, der sehr viel mehr ist als das „Vorlesen“ eines Gottesdienstentwurfs.

Menschen erreichen

Immer ist es Schnitzlein darum gegangen, Menschen zu erreichen, zu begleiten und wenn es sein muss, auch zu vermitteln. Das tat und tut er bis heute als Vorsitzender der von ihm 1985 mitgegründeten Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hersfeld-Rotenburg. Seit über zwei Jahren leitet er auch die AG Christlich-Jüdischer Gesellschaften in Hessen. In der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ist er an führender Stelle tätig. Als Vorsitzender des Christlichen Arbeitskreises Reisen sorgt er dafür, dass ältere und kulturinteressierte Menschen an kostengünstigen Fahrten teilnehmen können. So hat er natürlich auch selbst unzählige Studienreisen absolviert und vor allem Israel und China kennen und lieben gelernt.

Der 1966 in Friedlos sesshaft Gewordene hat über 1000 Gottesdienste gehalten und für viele Publikationen „Gedanken zum Sonntag“, Andachten und Gottesdienste verfasst.

Er ist einer, der erst einmal interessiert beobachtend abwartet, dann prüft, und wenn er eine Sache für gut befunden oder einen Menschen liebgewonnen hat, dann steht er zu ihr oder zu ihm.

Von Wilfried Apel

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