Stürmischer Beifall für das Altonaer Theater

Irrwitzige Flucht: Der "Hundertjährige" in der Stadthalle 

Immer im Zentrum der Weltpolitik: Das Altonaer Theater präsentierte die Bühnenversion des Erfolgsromans „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ in der Stadthalle Bad Hersfeld. Unser Bild zeigt hinten von links: Mao Zedong (Achmed Ole Bielfeldt), Kim Il-Sung (Robert Kotulla) und vorne Allan Emmanuel Karlsson (Franz-Joseph Dieken), Kim Jong-Il (Karsten Kramer) und Herbert Einstein (Dirk Hoener). Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. Der Mann ist einfach nicht totzukriegen. An seinem hundertsten Geburtstag büxt Allan Emmanuel Karlsson aus dem Altenheim aus, gelangt per Zufall an einen Koffer mit 50 Millionen schwedischer Kronen aus dubioser Herkunft und schon hat er nicht nur die geprellten Verbrecher, sondern auch die Polizei auf den Fersen.

Gemeinsam mit skurrilen Weggefährten, wie dem siebzigjährigen Kleinganoven Julius Jonsson und der schönen Gunilla Björklund nebst der ihr zugelaufenen Elefantendame Sonja beginnt eine irrwitzige Flucht durch das eigentlich so beschauliche Schweden.

Allan kann das jedoch nicht aus der Ruhe bringen, solange nur der Schnapsvorrat nicht zur Neige geht. Schließlich war er, der sich eigentlich überhaupt nicht für Politik interessiert, irgendwie in alle bedeutsamen Ereignisse des 20. Jahrhunderts verstrickt. So rettete er im spanischen Bürgerkrieg zufällig das Leben General Francos, gab Oppenheimer den entscheidenden Hinweis zum Bau der Atombombe, überquerte den Himalaya, entkam in der Stalin-Ära aus einem sibirischen Arbeitslager und rettete das Leben von Mao Zedongs künftiger Ehefrau, bevor er nach vielen weiteren Abenteuern wieder nach Schweden gelangte. All dies verdankt er seinem „unglaublichen Dusel“, über den er selbst immer wieder bass erstaunt ist.

Auch die rasante Flucht durch Schweden findet ein glückliches Ende, die Weggefährten landen schließlich mitsamt Koffer auf Bali, wo sie am Strand im Liegestuhl Cocktails „mit Schirmchen“ schlürfen; Geld genug haben sie ja.

Moderner Münchhausen

Das Altonaer Theater gastierte am Sonntag abend mit einer amüsanten und temporeichen Bühnenfassung von Jonas Jonassons Erfolgsroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ in der Bad Hersfelder Stadthalle. Franz-Joseph Dieken gefiel in der Rolle des modernen Münchhausen Allan. Eben noch mit krummem Rücken in Pantoffeln als tattriger Greis auf der Bühne, dreht er für die Rückblenden blitzschnell die Schiebermütze in den Nacken, wirft die beige Strickjacke in die Ecke und steht sogleich kerzengerade als junger Mann vor dem Publikum.

Ebenfalls großartig Hersfeldpreisträger Karsten Kramer (2003 Truffaldino in Goldonis „Diener zweier Herren“), der als schusseliger Kommissar während der Verfolgungsjagd zunehmend durch den Wind gerät und schließlich, inzwischen völlig derangiert, beschließt, ebenfalls auf Bali Cocktails zu schlürfen. Großes Lob auch an alle anderen Darsteller, die gleich in mehreren Rollen auf der Bühne standen sowie an ein einfallsreiches Bühnenbild und eine liebevolle Requisite. Insgesamt ein höchst unterhaltsamer Abend. Es gab zu recht stürmischen Applaus für ein tolles Ensemble.

Von Thomas Landsiedel

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