Heinrich Schwarz (75) und Gustav Paulussen wanderten 480 Kilometer auf Jakobsweg

Höhere Macht begleitet sie

Gut geschützt: Mit Sonnenhut, Windjacke, Regenschutz und Wanderstöcken ausgerüstet sind Gustav Paulussen aus Rotenburg (rechts) und Heinrich Schwarz aus Mühlbach gemeinsam den Jakobsweg gegangen. Foto: nh

Mühlbach/Rotenburg. Heinrich Schwarz hat sich einen Traum erfüllt. Und wenn er von seiner Wanderung auf dem Jakobsweg in Spanien spricht, dann kommen ihm immer wieder die Tränen der Rührung. Seit der 75-jährige Mühlbacher vor einigen Jahren das Buch des Komikers Hape Kerkeling über dessen Erfahrungen auf dem Pilgerweg gelesen hatte, träumte er davon, diese Route auch einmal zu gehen.

Alleine traute er sich die Reise jedoch nicht zu. Schwarz ist zwar ein passionierter Wanderer, doch mit 75 Jahren nicht mehr der Jüngste. „Außerdem fehlten mir die Sprachkenntnisse“, räumt er ein. Doch so wie Schwarz von Kerkelings Buch fasziniert war, war er seinerseits mit seiner Begeisterung Inspiration für Gustav Paulussen. Der 57 Jahre alte Rotenburger spielt mit Schwarz gemeinsam in der Theatergruppe des Wandervereins Aua und sagte einfach „Ja“, als das gemeinsame Abenteuer zur Sprache kam.

Gut vorbereitet durch Gespräche mit Menschen, die den Jakobsweg bereits gewandert sind, begannen die beiden Pilger ihren Weg in Saint Jean Pied de Port an der spanisch-französischen Grenze. „Von da aus sind wir in 20 Etappen 480 Kilometer gelaufen, jeden Tag so 20 bis 30 Kilometer“, erzählt Heinrich Schwarz, jeder mit elf Kilogramm Gepäck auf dem Rücken. „Wir waren zwar gemeinsam unterwegs, gegangen aber ist jeder für sich“, ergänzt Gustav Paulussen, „in seinem Tempo und allein mit seinem Gedanken oder im Gespräch mit Gott.“

Ohne Blessuren

Dabei würden weder Schwarz noch Paulussen sich als fromme Menschen bezeichnen. „Ich bin kein religiöser Mensch, aber ich glaube fest an den lieben Gott“, sagt Heinrich Schwarz. Während ihres Camino, so die spanische Bezeichnung für den Pilgerweg, fühlten beide sich aber von einer höheren Macht begleitet. Froh und dankbar erzählen sie, dass sie die Tour ohne irgendwelche Blessuren, ohne Blasen, ohne Gelenkschmerzen und ohne Muskelkater überstanden haben. Immer wieder machten sie die Erfahrung, dass von irgendwoher Hilfe kam, wenn es schwierig wurde. „Da nahm uns jemand bei sich auf, nahm uns mit oder bot uns ein schönes Zimmer an“, erinnert sich Paulussen. „Spanien ist ein so gastfreundliches Land, wir haben keinen einzigen unfreundlichen Menschen getroffen“, schwärmt Schwarz,

Getroffen haben die beiden aber jede Menge anderer Pilger – auf dem Weg und vor allem in den Pilgerherbergen, in denen sie übernachteten. Viele von ihnen begegneten den Waldhessen mehrfach, mit einigen entstanden Freundschaften.

Von Christine Zacharias

Kommentare