Kirchenvorstand und Urgestein: Georg Apel aus Reilos wird morgen 90 Jahre alt

Ein Hoch auf Schorsch

Man sieht ihm seine Lenze nicht an: Morgen wird „Schorsch“ Apel 90 Jahre alt. Foto: Wilfried Apel

Reilos. Mit noch nicht einmal drei Jahren erlebte er an der Hand von Opa Philipp, wie eine Schwadron Reiter des 100 000-Mann-Heeres der Reichswehr in Reilos einquartiert wurde. Mit noch nicht einmal sechs Jahren wurde er in Friedlos eingeschult. Und als er mit 14 konfirmiert wurde, schenkte ihm seine Großtante Friederike eine Brieftasche, die er noch heute hat.

Erzählt gerne

Begebenheiten aus dem Leben des Ur-Reilosers Georg Apel, der am Sonntag 90 Jahre jung wird, und der über all das, was er erlebt hat, gerne erzählt. Mal verschmitzt lachend, mal nachdenklich und wenn’s sein muss, auch fürs Fernsehen. Vor ein paar Jahren nämlich, als ein Team der Hessenschau „in den Reiloser Alltag aufbrach“, gab er all das zum Besten, was er über die Geschichte der Reiloser Kapelle weiß.

Mit der beschäftigt er sich seit 1934, seit er Vorkonfirmand war und sonntags die Lieder anstecken musste. Später übernahm er das Ausschmücken des Kirchleins, das Küsteramt, das Kastenmeisteramt und das Aussegnen, wenn jemand gestorben war. Seit 1956 ist er als Kirchenvorsteher und Kirchenältester in seltener Treue Mitglied des Kirchenvorstands. „Er war uns immer ein Vorbild“, unterstreicht ein Mitglied der Gemeinde, das Georg Apel bis Anfang des Jahres auch als Aktivposten des Friedloser Männergesangvereins erlebt hat.

Seit 1951 hat „Barlisse Schorsch“, wie der Jubilar von den Einheimischen genannt wird, bei den „Friddelsern“ mitgesungen. Ganz klar, dass sie ihn zum Ehrenmitglied ernannten. Genauso wie die Sportler des TSV Reilos und die Schützen. Für all das, was er für die Dorfgemeinschaft und die Landseniorenvereinigung Hersfeld-Rotenburg, deren Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender er war, geleistet hat, wurde ihm 1993 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Beruflich hätte es für ihn steil nach oben gehen können. Nach zweijähriger Ausbildung bei der Hersfelder Landesrenterei machte ihn sein Chef zum Bürovorsteher, und schon kurz danach wurde er zum Landesrechnungshof nach Kassel versetzt. Die Einberufung zur Marine und der Krieg, der den Funker Georg Apel bis nach Nord-Norwegen führte, ließen alles anders werden. Erst recht seine nach Heimkehr aus Gefangenschaft getroffene Entscheidung, anstelle seines gefallenen Bruders die elterliche Landwirtschaft zu übernehmen. Von 1962 an war er allerdings nur noch als Nebenerwerbslandwirt, Hausmetzger und Imker tätig, denn von da an arbeitete er 22 Jahre lang beim Straßenbauamt, wo er vor allem für den Grunderwerb im Raum Rotenburg zuständig war.

Familiäres Miteinander

1950 heiratete der Jubilar Anna Marie Elisabeth Klagholz aus Oberaula. „Mariechen“, wie er sie liebevoll nennt, schenkte ihm zwei Kinder. Gern ist er mit ihr zusammen für ihre vier Enkel und drei Urenkel da, und er betrachtet es als großes Glück, dass er bis heute in gutem familiären Miteinander für sie sorgen kann. Nach gerade überstandener Karpaltunnel-Operation schreibt er jetzt auch wieder Geschichten auf. Auf der Schreibmaschine natürlich.

Von Wilfried Apel

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