Wochenendporträt: Mühlbacher hilft zehn Syrern dabei, sich zurechtzufinden

Auf gute Nachbarschaft

Alles in Schuss: Heinrich Schwarz aus Mühlbach hilft seinen neuen Nachbarn bei der Gartenarbeit. Bei ihnen handelt es sich um zehn Asylbewerber aus Syrien. Foto: Reymond

Mühlbach. Im Neuensteiner Ortsteil Mühlbach leben zehn junge Männer aus Syrien. Die Flüchtlinge warten dort auf ihre Anerkennung. In der Zwischenzeit sind sie aber keinesfalls abgeschottet in einem vom Landkreis angemieteten Häuschen am Ortsrand.

Nachbar Heinrich Schwarz kümmert sich um die Syrer. „Ich bin nicht aufdringlich, aber über den Gartenzaun ergibt sich schon so manches Gespräch.

Bereits im Mai war eine syrische Familie in das Haus eingezogen - ein Mann mit zwei kleinen Kindern und seiner Schwester. „Die Ehefrau war in Syrien ums Leben gekommen, als sie an einer defekten Waschmaschine einen Stromschlag bekommen hatte“, weiß Schwarz zu berichten.

Der Mann habe ihn kurz nach dem Einzug über den Gartenzaun hinweg nach einem ,Market‘ gefragt. „Ich bin dann mit ihm nach Obergeis zum Einkaufen gefahren“, erklärt Schwarz.

Aber auch sonst hat er ein Auge auf seine Nachbarn. „Das macht man so. Früher habe ich auch immer nach dem Fritz geschaut. Der lebt aber nun seit April in einer Seniorenresidenz in Bad Hersfeld“, sagt Schwarz. Der Verlust des Freundes schmerzt ihn noch heute: „Seit 1966 haben wir Zaun an Zaun gelebt. Nun ja, jetzt ist das Haus vermietet und ich habe wieder neue Nachbarn. So ist das eben. Den Fritz besuche ich natürlich hin und wieder“, sagt Schwarz.

Gemeinsam im Garten

Zusammen mit den jungen Männern hat er auf dem Nachbargrundstück bereits mehrfach den Rasen gemäht und die Hecken geschnitten. Den alten Elektro-Rasenmäher haben die Syrer übrigens von einem anderen Nachbarn geschenkt bekommen. „Ich muss schon gut auf die Jungen aufpassen. Der eine hat meiner Frau in Badelatschen beim Umgraben im Garten geholfen. Da bin ich aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen. Aber vor dem Rasenmähen habe ich sie ins Haus geschickt, damit sie sich festes Schuhwerk anziehen“, führt Schwarz weiter aus. In die Kochtöpfe schauten sie sich gegenseitig aber nicht. „Ich zeige ihnen nur, wie bei uns alles so funktioniert, mache aber keine Vorschriften“, erklärt der Mühlbacher. So hätten sich die Syrer nach anfänglichen Schwierigkeiten an die Mülltrennung gewöhnt.

Dass nachts im ganzen Haus oftmals lange das Licht brenne, finde er zwar nicht besonders ökologisch, schaue aber darüber hinweg. Nicht aber darüber, dass die Männer mehrere Tage kalt in der Wohnung gesessen hätten.

„Das Heizöl war alle und sofort habe ich mich darum gekümmert, dass über das Amt der Heizöllaster bestellt und der Tank gefüllt wurde“. Dass es sich bei seinen neuen Nachbarn um Syrer handelt, interessiert Heinrich Schwarz überhaupt nicht. „Ich helfe. Wegschauen ist nicht mein Leben. Ich möchte einen guten Kontakt zu all meinen Nachbarn. Da spielt es keine Rolle, wo sie herkommen.“

Allerdings findet Schwarz auch, dass die Politik in der Flüchtlingsfrage endlich das Heft des Handelns in die Hand nehmen müsse.

„Noch viel mehr Flüchtlinge können wir in Deutschland nicht verkraften. Aber denen, die hier sind, müssen wir helfen. Das ist selbstverständlich.“

Von Mario Reymond

Kommentare