Tag des offenen Denkmals – Schloss Neuenstein öffnet seine Tore für Besucher

Geschichte zum Anfassen

Unverwüstlich: Balken so hart wie Eisen auch im Rittersaal. Bernd Budzik (rechts) begeistert mit seinen Führungen durch Schloss Neuenstein. Fotos: Schmidl

Saasen. Jedes Jahr am zweiten Sonntag im September sind bundesweit Millionen von Architektur- und Geschichtsliebhabern zu Streifzügen in die Vergangenheit eingeladen.

Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt, der den „Tag des Denkmals“ auf Schloss Neuenstein eröffnete, nahm anschließend an der ersten von mehreren Führungen teil, um sich über die historischen Holzkonstruktionen im Innern informieren zu lassen. Das Motto „Holz“ wurde am Denkmalstag 2012 breit und vielgestaltig interpretiert. In diesem Fall als zentraler Baustoff, der auch in unseren Breitengraden in großer Fülle vorhanden ist. Bernd Budzik, Geschäftsführer der Schloss Neuenstein GmbH, stellte an diesem Tag das Thema Holz in den Mittelpunkt seiner launigen Rundgänge.

Früher eine Burg

Vor Ort war auch Heike Madus, die im Landkreis Hersfeld-Rotenburg für Denkmalspflege und Denkmalschutz zuständig ist. Sie kennt sich gut aus im Schloss, das früher eine Burg war. Diese wurde wahrscheinlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts von Albert I. von Wallenstein auf Kalksandstein erbaut und im Jahr 1267 als „Neuwallenstein“ erstmals erwähnt.

Die Hallenburg war dabei der zentrale Ort. Von Hand behauene, krumme, schiefe und gebrochene 600 Jahre alte Eichenbalken, teilweise so fest wie Eisen, sind bis heute erhalten. Diese wurden im Rittersaal und den inzwischen als Konferenz- und Seminarräume genutzten Räumlichkeiten mühsam freigelegt, denn früher wurden die tragenden Balken allesamt verputzt. Auf die historischen Kastenfenster mit mundgeblasenem Glas, sogar in den oberen Toiletten, die Holzfußböden und Türen wurde hingewiesen.

Der Aufstieg zum 28 Meter hohen Turm, der früher eine Zisterne war, erfolgt über eine Treppe aus ebenfalls 600 Jahre altem Eichenholz. Oben angekommen, begeistert das ineinander verankerte Gebälk. „Ein Sprengwerk nach oben“, beschreibt es Heike Madus. Nach einem Blick in das heutige Standesamt, früher von den Dorfbewohnern in Saasen als Kirche genutzt, blieb noch Zeit, die im Innenhof ausgestellten Holzarten anzuschauen, die als Brennholz dienen. Ein Blick über die Schulter des Bildhauers Bernd Weyland aus Wippershain lohnte, der den Werkstoff Holz bearbeitete. Es wird noch eine Weile dauern, bis der hölzerne Turmfalke auf das Schloss blicken kann.

Eine Reise...

Von Gudrun Schmidl

Kommentare