Wahlprüfsteine: Im Kampf mit Lärm, Stromtrassen und der Kali-Pipeline

Wahlprüfsteine: Ludwigsau ist eine Gemeinde der Gegensätze

Von oben betrachtet ist Ludwigsau idyllisch und grün. Doch die Wolkendecke verbirgt die Stromtrassen, die zum Umspannwerk nach Mecklar führen, die Bahntrasse entlang der Bundesstraße und das kränkelnde Industriegebiet in der Fuldaaue. Fotos: Ernst, Struthoff, Manns, Eyert

Ludwigsau. In der Gemeinde Ludwigsau prallen die Gegensätze unserer Region wie kaum an einem anderen Ort aufeinander: Dort treffen ausgedehnte Wälder, ruhige Täler mit beschaulichen Dörfern und die liebliche Flusslandschaft der Fulda auf Stromtrassen zum Umspannwerk Mecklar, immer mehr Windräder, sowie den Lärm von Bahn- und Autoverkehr. Dies sind die Prüfungen, mit denen die Gemeindevertreter umgehen müssen.

Ludwigsau wird von Windräder geradezu umzingelt. Was ist dagegen zu tun?

Große Fans von Windrädern sind alle politischen Bewerber offenbar nicht. „Eine Umzingelung wollen wir nicht“, stellt Rainer Koch von der SPD klar. Die Bürger von Ludwigsau dürften nicht einseitig belastet werden. „Keine weiteren Windräder für Ludwigsau“ fordert auch die BLF in ihrem Wahlflugblatt. Für Christina Wenz von der FDP ist der „Bürgerwille wichtig“, vor allem müssten die Mindestabstände eingehalten werden und die Wirtschaftlichkeit von Subventionen überprüft werden.

Die 380-kV-Starkstromtrasse Wahle-Mecklar wird kommen, so viel steht fest. Ist aber am Trassenverlauf im Gemeindegebiet noch etwas zu ändern?

Die BFL favorisiert nach wie vor die Waldtangente. Wie sie diese durchsetzen will, steht nicht in ihrem Flyer. Auch die SPD hofft immer noch auf ein Verschwenken der Trasse und setzt auf „passiven Widerstand“ durch die Sperrung von Gemeindeflächen und -wegen, um Druck auf die Trassenbauer auszuüben. Hinter „vorgehaltener Hand“ will Rainer Koch vernommen haben, dass es vielleicht doch noch Änderungen für die besonders stark betroffenen Ortsteile geben könnte. Dann hätte sich der Widerstand ausgezahlt. Die FDP-Kandidatin hält die Diskussion um den Trassenverlauf für sinnlos. „Irgendwo muss gebaut werden.“ Eine Erdverkabelung findet sie zu teuer.

Mit einer Kali-Pipeline droht der Gemeinde eine neue Belastung. Was ist zu tun?

!Als gebürtige Philippsthalerin weiß Christina Wenk von der FDP um die Bedeutung von K+S für den ganzen Kreis. „Wir brauchen die Pipeline, K+S darf bei der Entsorgung nicht allein von der Werra abhängig sein. Auch die SPD betont, dass sie nichts gegen die Kali-Kumpel im Werra-Tal hat. Allerdings meint Rainer Koch, es seien zu wenige Alternativtrassen geprüft worden. Er schlägt vor, die Laugenleitung könne ja auch entlang der Werra gebaut werden. Die BFL wollte unsere Fragen nicht beantworten, ihre Haltung zur Kali-Pipeline ist daher nicht bekannt.

Selbst im Wald ist es in Ludwigsau selten still. Die Gemeinde ist durch Bahn- und Autolärm gebeutelt. Wer stellt den Krach ab?

Die SPD setzt auf neue Gespräche mit dem Bundesverkehrsministerium, die Staatsminister Michael Roth vermittelt hat. Außerdem soll ein neues Schallschutzgutachten erstellt werden. Rainer Koch hofft daher, dass wenigstens die Bahn für weiteren Lärmschutz zahlen wird.

Die FDP-Kandidatin lebt selbst direkt an der Bahnstrecke in Mecklar. Sie kennt die Belastung aus erster Hand und plädiert auch für mehr Lärmschutz. Das sehen auch die Bürger für Ludwigsau (BFL) so. Sie fordern ebenfalls Schallmessungen und andere „geeignete Maßnahmen“.

Was ist den Parteien sonst noch für die Gemeinde Ludwigsau wichtig?

Die SPD möchte die „erfolgreiche, solide und transparente“ Haushaltspolitik fortsetzen, die ihre Partei in der Gemeinde über Jahre maßgeblich mitbestimmt hat, sagt Rainer Koch. Außerdem sorgt er sich um die Notfallversorgung der entlegeneren Teile der Gemeinde, wenn, wie geplant, die neue Rettungswache in Bad Hersfeld an der Europa-Allee gebaut wird. „Die Hilfsfrist kann dann vermutlich oft nicht mehr eingehalten werden“, fürchtet er und kündigt an, an dem Thema dranzubleiben.

Christina Wenk von der FDP will erreichen, dass die Gemeinde ein Leerstandskataster für alle Ortsteile erstellt, damit die alten Fachwerkshäuser wieder belebt werden können.

Die Bürger für Ludwigsau fordern in ihrem Wahl-Flyer unter anderem flexiblere Öffnungszeiten der Kindergärten, schnelles Internet für alle Ortsteile und die Ansiedlung von Gewerbebetrieben im Industriegebiet zwischen Mecklar und Meckbach.

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