Hutzelfeuer im Eiterfelder Land und in Petersberg, Helrad im Rohrbachtal

Feuer vertreibt den Winter

Milena, Anna und Lena wollen nach dem Abbrennen des Feuers in Großentaft zum Hutzeln losziehen und hoffen auf viele Süßigkeiten. Foto: Desoi

Großentaft/Petersberg/Niederthalhausen. In den östlichen Randgebieten des Hersfelder Landes ist es eine alte Tradition: Der erste Sonntag nach Fastnacht ist Hutzelsonntag. Ein großes Feuer wird entzündet und anschließend gehen die Kinder hutzeln. Das heißt sie klingeln an den Haustüren, singen ihr Hutzellied und bekommen Süßigkeiten oder Kleingeld: „Die Hutzeln sind gesoden (weich gegarte Zwetschen und Birnen). Sie ham en dicken Knoten,wenn Ihr mir keine Hutzel gebt, soll Euer Baum keine Birn mehr tragen.............“

Zwei Samstage vorher sammelten die Hutzeljungens, das sind die etwa Zehn- bis 18-Jährigen, die für das Feuer zuständig sind, alles Brennbare ein. Meistens sind sie mit Traktor und Anhänger unterwegs. Das Material, häufig die trockenen Weihnachtsbäume, liegt vor den Häusern der Anwohner bereit.

In der Abenddämmerung werden der große Haufen Brennholz und weitere Holzabfälle angezündet. Zwecks Geselligkeit gibt es neben dem Hutzelfeuer Bratwürstchen und warme Getränke. In Großentaft ist diesmal die Jugendfeuerwehr für einen geordneten Ablauf des Feuers zuständig. Die Jugendlichen beobachten das Feuer, um notfalls einzugreifen.

Auch in Petersberg wurde das Hutzelfeuer am vergangenen Sonntag erst angezündet. In den meisten Dörfern in und um Bad Hersfeld werden die Weihnachtsbäume dagegen schon im Januar verbrannt. Meterhohe Flammen schlugen aus dem Haufen, sodass sich die Petersberger gut am Feuer wärmen konnten. Bratwurst und Glühwein halfen gegen Hunger und Kälte.

Helrad im Rohrbachtal

„Heeeeelraaad“ - so hallte es am Sonntagabend laut durch das Rohrbachtal. Auf Kommando von Markus Werner packten neun Burschen aus den Ludwigsauer Ortsteilen Niederthalhausen und Beenhausen eine knapp zehn Meter lange Stange an und rollten sie durch ein Feuer wir berichteten bereits kurz im Bild). An der Stange war ein Metallrad befestigt, dass tags zuvor mühevoll mit Stroh umwickelt worden war. Fast drei Meter breit und über zwei Meter hoch war das Ungetüm.

Dann rollten die Männer, die ledig und unter 30 Jahre alt sein müssen, den weithin leuchtenden Feuerball in schweißtreibender Arbeit von der Hardt, eine Anhöhe bei Niederthalhausen, durch eine 40 Meter breite Waldschneise bis ins Tal. Unter dem Gejohle der Dorf-Bevölkerung, die mit Fackeln und Laternen ans Ufer des Rohrbachs gekommen waren, löschten die Männer die Strohreste im Wasser.

Das Helrad-Rollen geht auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, und soll den Winter austreiben.

Von Christa Desoi, Hartmut Wenzel und Gerhard Manns

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