Der Amtsinhaber: Walter Glänzer (CDU) will gemeinsam mit dem Parlament weiter für Neuenstein arbeiten

Mit Erfahrung und Kompetenz

Seltene Zweisamkeit: Bürgermeister Walter Glänzer kann auf die Unterstützung seiner Ehefrau Karin bauen. Für die Familie hält er sich feste Zeiten frei. Da ist die Politik dann kein Thema. Foto: nh

Aua. Zwölf Jahre lang hat Bürgermeister Walter Glänzer bereits die Geschicke der Gemeinde Neuenstein geleitet. Nun strebt er eine weitere Amtszeit an. Er setzt auf Erfahrung und Kompetenz und die guten Kontakte, die er sich in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Im Interview sagt er, was ihm am Bürgermeisteramt gefällt, was ihm wichtig ist und was er sich noch vorgenommen hat.

Warum wollen Sie noch eine dritte Amtszeit Bürgermeister von Neuenstein sein?

Walter Glänzer: Einer der Hauptgründe sind die großen, übergelagerten Aufgaben im Energiebereich. Da ist zunächst einmal die Stromtrasse Suedlink. Seit Februar 2014 versuche ich diese Sache von Neuenstein und letztendlich auch von allen anderen in Hessen fernzuhalten, weil ich sie für unnötig halte. Wenn man das will, muss man natürlich einen großen fachlichen Hintergrund haben und ich habe den mittlerweile. Als Sprecher von 53 Kommunen ist es wichtig, dass man diese Arbeit gründlich macht.

Und sonst?

Glänzer: Ja, dann habe ich noch für mich selber offene Punkte. Einer ist der altersdemografische Wandel und die Schaffung einer seniorengerechten Einrichtung hier in Neuenstein. Das ist für mich eine ganz zentrale Aufgabe.

Und natürlich will ich alle Aufgaben, die ich angefangen habe, weiterführen, zum Beispiel die gemeinsame Jugendarbeit Aulatal-Geistal, wo wir ganz am Anfang des Weges stehen. Für mich ist es immer wichtig, dass eine Kommune finanziell auf eigenen Füßen steht und nicht von außen beherrscht wird. Außerdem werde ich mich nicht mit 59 Jahren selber zur Ruhe setzen. Was der Staat von allen anderen Menschen verlangt, das werde ich auch von mir verlangen, dass ich eben bis zum 65. Lebensjahr arbeite, wenn’s die Gesundheit zulässt.

Wo sehen Sie in Neuenstein noch Schwachstellen und Verbesserungsbedarf?

Glänzer: Verbesserungsbedarf gibt es immer in der Kommune. Wir werden uns zum Beispiel noch stärker mit der Frage beschäftigen müssen, wie es in den Ortskernen unserer Dörfer aussieht. Da müssen wir noch deutlich mehr eingreifen und unterstützen, damit vorhandene Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt werden und das Leben im Dorf erhalten bleibt. Dorfentwicklung ist ein großes Thema, da wollen wir noch einen deutlich stärkeren Akzent setzen, als das bisher war.

Bisher gibt es noch kein größeres Problem mit Leerständen in Neuenstein, oder?

Glänzer: Nein, zum Glück nicht. Aber es ist ja die Aufgabe eines Bürgermeisters, in die Zukunft zu planen und Vorsorge zu treffen und nicht erst abzuwarten, bis das Problem groß ist.

Was haben Sie für Neuenstein erreicht. Wie sieht die Bilanz ihrer bisherigen Arbeit aus?

Glänzer: Wir haben schon eine ganze Menge für Neuenstein erreicht. Wir stehen wirtschaftlich auf einem vernünftigen Stand. Die Bürgerinnen und Bürger sind bisher nicht übermäßig finanziell strapaziert worden, obwohl wir eine Infrastruktur haben, die wirklich vorzeigbar ist.

Wir haben auch eine neue Kläranlage, die technisch auf dem allerneuesten Stand ist. Das alles setze ich natürlich nicht alleine durch, sondern mit dem Parlament und da haben wir in Neuenstein immer anständig zusammengearbeitet und die Dinge gemeinsam vorangetrieben. Da bin ich auch stolz drauf.

Ich bin auch stolz auf das Verwaltungsinterne. Die Neuensteiner können morgens ab 7.15 Uhr in die Verwaltung kommen und das an fünf Tagen die Woche. Bis auf eine kleine Pause Freitagmittag ist hier durchgängig geöffnet. Unsere kleine Mannschaft, sechs Leute plus der Bürgermeister, ist inzwischen so weit, dass jeder sich in allen Bereichen auskennt und einspringen kann.

Was macht den Beruf des Bürgermeisters reizvoll für Sie?

Glänzer: Dass ich viel Kontakt habe mit Menschen. Da kriege ich manchmal auch eine auf den Deckel, aber meistens sind die Gespräche positiv.

Und dann kann ich hier als Bürgermeister noch viel entscheiden. Man merkt auch, dass man wächst an seiner Aufgabe und stärker wird.

Auch die Wertschätzung eines Bürgermeisters ist deutlich höher als in anderen politischen Ämtern.

Mögen Sie Feiern, Feste und öffentliche Auftritte?

Glänzer: Ja. Ich war immer schon ehrenamtlich tätig in Vereinen und Verbänden. Da fühle ich mich zu Hause.

Wichtig sind mir auch die Geburtstagsbesuche bei älteren Menschen, so zwischen 400 und 500 Besuche pro Jahr. Da erfahre ich ganz viel, was die Leute so denken.

Wie schaffen Sie sich private Freiräume?

Glänzer: Es gibt Zeiten, die sind nur für mich und meine Familie. Samstag- und Sonntagvormittag, das ist meine Zeit zu Hause – und der Sonntagabend. Als Bürgermeister sind die privaten Zeiten stark eingeschränkt und das geht natürlich nur, wenn die Ehefrau und die Kinder hundertprozentig mitziehen.

Ohne den Ehepartner geht gar nichts. Meine Frau wickelt alle privaten Dinge und Geschäfte ab. Besprochen wird das in der Mittagspause. Ich hätte gerne mehr Zeit für meine Kinder gehabt, konnte bei vielen Veranstaltungen nicht mit dabei sein. Das tat schon weh. Aber ich bin stolz darauf, dass meine Kinder beide so gut vorwärts gekommen sind.

Von Christine Zacharias

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