Posaunenchor Mecklar feiert 75-jähriges Bestehen – Nachfolger für Chorleiter Kurt Zilch

Dreimal Grund zur Freude

Immer freitags trifft sich der Posaunenchor Mecklar zur Probe, seit 55 Jahren unter der Leitung von Kurt Zilch. Fotos: Apel

Mecklar. Fast jeden Freitagabend das gleiche Spiel. Durch die geöffneten Fenster des an der Freiherr-vom-Stein-Straße gelegenen Pfarr- und Gemeindehauses ertönen Posaunenklänge. Der Kathuser Kurt Zilch ist in die alte Heimat gekommen und übt mit „seinen“ Bläserinnen und Bläsern für den nächsten Auftritt.

Dabei ist jeder Auftritt des Mecklarer Posaunenchores, jedes Ständchen, alles andere als ein Auftritt. Es ist ein Mitwirken bei der Verkündigung, ein Dienst zum Lobe Gottes. So jedenfalls sehen es die Mitglieder des Chors und so sieht es insbesondere Zilch, der 1946 – vor 67 Jahren – zum ersten Mal zwei Stücke im Heiligabendgottesdienst mitgeblasen hat.

Seine freundlich-verschmitzt, manchmal aber auch nachdenklich und ernst den anderen anschauenden Augen fangen an zu leuchten, wenn er zurückdenkt. Wenn er einem vor Augen malt, wie er sich als knapp Zehnjähriger heimlich das Horn seines Bruders Heinrich geholt und geübt hat, wie er mit den Gründervätern gespielt, an den Schulungen des Posaunenwerks teilgenommen und wie er 1958 – vor 55 Jahren – die Leitung des Posaunenchors übernommen hat.

Wer den fast 77-Jährigen kennt, weiß, was der Posaunenchor und was insbesondere die Gemeinden Mecklar und Meckbach in all den Jahren an „Dennerts Kurt“ gehabt haben, und was für ein Glück es ist, dass sich mit dem 21 Jahre alten, schon in jungen Jahren als Chorleiter ausgebildeten Andreas Zilch – Kurt Zilchs Enkelsohn – vor wenigen Wochen ein Nachfolger für den schon lange ans Kürzertreten Denkenden gefunden hat. Andreas ist von Haus aus Landmaschinenmechaniker und aus beruflichen Gründen von Esslingen nach Kathus gezogen. Er hat das musikalische Talent des Großvaters geerbt und man merkt sogleich, wie Opas alte Recken auf ihn hören, wenn er den Takt angibt.

Musikalischer Gottesdienst

Am kommenden Sonntag lädt der mit Beenhäuser Bläsern verstärkte Mecklarer Chor ein letztes Mal zu einem von Kurt Zilch vorbereiteten und geleiteten musikalischen Gottesdienst ein. Er beginnt um 10.45 Uhr und wird von Lektor Wilfried Apel gehalten. Auch im Heiligabendgottesdienst wirken die Bläser noch einmal „in alter Besetzung“ mit. Danach werden Kurt Zilch und „seine“ Bläser nur noch auf Andreas hören.

Tuba für 360 Reichsmark

Es war der bekannte Posaunendiakon Römer, der vor 75 Jahren zusammen mit Pfarrer Hans Rück dafür sorgte, dass im beschaulichen und damals noch zu Recht als „Gänsedorf“ bezeichneten Mecklar ein Posaunenchor gegründet wurde. Römer wusste, wo es gebrauchte Blasinstrumente gab und er half dabei, sie zu beschaffen. Für die Tuba mussten 360 Reichsmark hingeblättert werden – ein für damalige Verhältnisse stattlicher Betrag.

Nachdem die Posaunenarbeit wegen des Zweiten Weltkriegs schon bald zum Erliegen gekommen war, sorgte 1945 Adam Apel als Nachfolger von Chorleiter Friedrich Iffland dafür, dass es weiterging. Vertretungsweise war auch Heinrich Lapp der erste Mann, ehe Heinrich Simon für kurze Zeit für den richtigen Ton sorgte. Seit 1958 ist Kurt Zilch Chorleiter. Mit viel Engagement führte er „seine“ Bläser auf ein hohes musikalisches Niveau.

Als Vorsitzender der „verschworenen Gemeinschaft“ Posaunenchor steht ihm Kurt Blum zur Seite – und das nun auch schon seit 55 Jahren. „Er hat immer gewusst, wo es langgeht und wir haben immer auf ihn gehört“, resümiert Blum. „Einen besseren Chorleiter hätten wir nicht haben können!“

Von Wilfried Apel

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