Stromtrasse Suedlink: Präsident des Hessischen Bauernverbandes gegen Erdverkabelung

„Dort wächst nichts mehr“

Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes Friedhelm Schneider spricht sich gegen eine unterirdische Verlegung der Suedlink-Stromtrasse aus. Mit der 800 Kilometer langen Trasse soll der mit Windrädern erzeugte Strom ab 2022 von der Nordsee nach Süddeutschland transportiert werden. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg/Baunatal. Deutliche Worte von Friedhelm Schneider, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, für Forderungen, die Stromtrasse Suedlink unterirdisch zu verlegen: „Man kann es sich abschminken, die Trasse in den Boden zu bauen“, sagte er auf der Landwirtschaftlichen Woche Nordhessen in Baunatal. Sollte die Stromtrasse unterirdisch verlegt werden, könnten wegen der Wärmeabstrahlung im Abstand von bis zu 30 Metern keine Pflanzen mehr gedeihen. „Dort wächst dann nichts mehr“, sagt er. Zudem sei der Flächenanspruch viel höher. Daher könne eine unterirdische Leitung nicht das Ziel sein.

Unter der Bezeichnung Suedlink soll eine 500 000 Volt Gleichstromleitung Windstrom von der Nordsee nach Bayern transportieren. Die 800 Kilometer lange Leitung soll auch durch die Gemeinden Neuenstein, Kirchheim und Niederaula führen. Die Leitung, deren Verlauf erst grob geplant ist, soll 2022 in Betrieb gehen.

Leitungen aufrüsten

„Wegen Suedlink müssen wir aber noch in Verhandlungen eintreten“, sagte der Präsident. Dabei müsse genau geprüft werden, welche Trassen wirklich notwendig seien. „Es muss darauf geachtet werden, so wenig Schaden an der Natur anzurichten, und so wenig Fläche wie möglich zu verbrauchen“, betonte er. Deswegen solle geprüft werden, ob bestehende Leitungen aufgerüstet werden können, so Schneider. Weitere Themen, die im kommenden Jahr auf die Landwirtschaft zukommen werden, seien der Mindestlohn und die neue Düngemittelverordnung.

„Das Problem mit dem Mindestlohn ist, dass wir bei den Lohnkosten nicht mehr konkurrenzfähig sind“, sagt er. Denn der Mindestlohn werde in Ländern wie Spanien und Griechenland nicht in dem Ausmaß bezahlt wie in Deutschland. „Wir können den Mindestlohn nicht auf die Preise umlegen, da wir sonst unsere Produkte nicht mehr losbekommen“, sagt Schneider.

Probleme mit Verordnung

Auch die neue Düngemittelverordnung ist laut dem Präsidenten eine große Herausforderung. „Wir haben mit der Düngemittelverordnung Schwierigkeiten, da sie auf zum Teil falschen Zahlen beruht“, sagte Schneider. Denn diese beruhten auf Messungen an 176 Stellen in sensiblen Gebieten, so Schneider. „Wir brauchen aber 1200 Messstellen, um genau festzustellen, wo es notwendig ist, in Deutschland Wasserschutz zu betreiben“, erklärt er.

Von Frank Brauner

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