Das Dorfheim wird zur Schule

Lernen: Ingeborg Dietze aus Obergeis gibt zehn jungen Syrern in Mühlbach Deutschunterricht. Foto: Reymond

Mühlbach. Das Dorfgemeinschaftshaus in Mühlbach wird seit August jeden Mittwoch für neunzig Minuten zur Schule. Dort lernen die zehn syrischen Neubürger die deutsche Sprache.

Unterrichtet werden sie von vier Ehrenamtlichen aus der Gemeinde Neuenstein. Besonders engagiert sich die ehemalige Lehrerin Ingeborg Dietze aus Obergeis.

„Ich mache das natürlich gerne. Außerdem versuche ich darauf zu achten, dass es im Ruhestand nicht zu ruhig wird“, sagt Dietze. Die Asylbewerber erledigen derweil eine schriftliche Aufgabe. Sie konjugieren Verben und versuchen Lückentexte auszufüllen. Für sie habe es keine lange Phase des Nachdenkens gegeben. „Für mich war das selbstverständlich und ich mache das gern.“

Deutsch als Fremdsprache

Mit Deutsch als Fremdsprache habe sie ohnehin ihre Erfahrung. Eigentlich wollte Dietze direkt nach dem Studium Lehrerin werden, doch auf ihre Bewerbung für den Schuldienst aus dem Jahre 1978 bekam sie erst im Jahre 2000 eine Rückmeldung vom Staatlichen Schulamt.

In all den Jahren dazwischen arbeitete sie bei den US-Streitkräften in Bad Hersfeld im Wohnungsamt. Und später, als die Army die Stadt verlassen hatten, war sie nach eigenen Worten für die Gegenseite tätig. „Ich habe Deutsch für Spätaussiedler gegeben.“

Im Jahre 2000 erfüllte sich dann ihr eigentlicher Berufswunsch, und Ingeborg Dietze kam als Lehrerin im Anstellungsverhältnis an die Gesamtschule Geistal. Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2013 unterrichtete sie dort. Doch nach dem Übertritt in den Ruhestand war mit dem Lehren nicht Schluss. „Im Pfarrhaus in Obergeis biete ich einmal wöchentlich eine Hausaufgabenbetreuung für interessierte Neuensteiner Kinder an. Werbung dafür machen wir über das Gemeindeblättchen.“

Seit nunmehr drei Monaten steht für Ingeborg Dietze der Sprachunterricht für die jungen Männer aus Syrien in Mühlbach auf dem Lehrplan. „Ich habe immer gerne unterrichtet und nie wirklich Probleme gehabt. Auch die Syrer sind alle aufmerksam dabei. Weil die meisten die englische Sprache beherrschen, haben sie auch keine Probleme mit unserer lateinischen Schrift“, erklärt die Pädagogin.

Nicht lange nachdenken

Sie ist der Meinung, dass die Integration von Flüchtlingen auf dem Dorf besser funktioniere, als anderswo in Massenunterkünften. Zudem sei die Sprache das erste Mittel zur Integration.

Und weil dies so sei, habe Ingeborg Dietze nicht lange darüber nachdenken müssen, ob und wie sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge am besten einsetzen könne. (rey)

Kommentare