Die Bürger des Neuensteiner Stadtteils Mühlbach renovieren ihre Kirche in Eigenregie

Ein Dorf packt an

Noch steht das Gerüst: Die Mühlbacher um Pfarrer Frank Weber (Zweiter von links) übernehmen den Innenausbau ihrer Dorfkirche selbst. Die Fensterrahmen erhalten einen neuen Anstrich, der das Rubinrot des Bibelverses an der Wand aufgreift. Foto:Spanel

Mühlbach. Zusammenhalt, bürgerschaftliches Engagement und Arbeitseifer sind für die Einwohner des Neuensteiner Stadtteils Mühlbach keine leeren Worthülsen, sondern gelebte Realität. In Eigenregie stemmt das 370-Seelen-Dorf die gesamte Innenrenovierung seiner Kirche.

„Hut ab vor den Mühlbachern“, sagt Gemeindepfarrer Frank Weber, der sich selbst tatkräftig am Umbau beteiligt. „Im Nebenberuf bin ich jetzt Anstreicher“, lacht er.

Eigeninitiative

Im vorangegangenen Winter machte eine kaputte Elektroheizung das Abhalten von Gottesdiensten und Veranstaltungen im Nebenraum der Kirche unmöglich. Zwar genehmigte der Kirchenkreis daraufhin umfassende Elektroarbeiten im Wert von 44 000 Euro, doch Geld für die Innenrenovierung blieb nicht. Aber die Mühlbacher wussten sich zu helfen: Gemeinsam mit dem Neuensteiner Architekturbüro Albert Heß planten sie sorgfältig, entwickelten zeitgemäße Farbkonzepte, wogen die Kosten genau ab – und übernahmen die praktische Ausführung dann einfach selbst.

Bis heute steht täglich ein fester Trupp an Männern in der Kirche, um Maurer-, Streich- und Verlegungsarbeiten zu erledigen. Doch auch jeder andere Dorfbewohner leistet seinen ganz persönlichen Beitrag: So nähen die Mühlbacher Frauen rubinrote Kissenbezüge, mit denen später die Kirchenbänke verschönert werden sollen, oder versorgen die Männer täglich mit Speisen und Getränken.

Große Fortschritte

Dabei gehen die Arbeiten schnell voran. Das große Baugerüst im Inneren der Kirche kann nach nur drei Wochen wieder abgebaut werden. Schon bis zum ersten Advent soll die Renovierung vollständig abgeschlossen sein. „Dann wollen wir mit einem festlichen Gottesdienst, Kaffee und Kuchen die große Wiedereröffnung feiern. Außerdem stehen zwei Goldene Hochzeiten an – wir dürfen uns also nicht hängen lassen“, erklärt Pfarrer Weber.

Doch diese Sorge dürfte in Mühlbach völlig unbegründet sein, führt man sich die Leidenschaft und Opferbereitschaft vor Augen, mit denen das Dorf seine Kirche renoviert. Bislang belaufen sich die angefallenen Kosten für den Innenausbau auf etwa 90 000 Euro. Hätte man Fachfirmen mit der Sanierung beauftragt, wäre die Summe noch um ein Vielfaches höher gewesen.

In diesem Sinne bitten die Mühlbacher noch um Spenden, mit denen neue Lampen und die Bestuhlung ihrer Kirche finanziert werden sollen.

Von Emily Spanel

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