Tennet stellt geprüften Trassenverlauf der 380-Kv-Leitung vor – Ludwigsau enttäuscht

„Die Waldtangente ist tot“

Gebeuteltes Ludwigsau: Bahnlärm, Straßenkrach und Leitungsärger. Foto: Archiv

Ludwigsau. Enttäuschung in Ludwigsau: Nach eingehender Prüfung hat die Firma Tennet den von der Gemeinde favorisierten Alternativ-Vorschlägen für den Trassenverlauf der 380-Kv-Starkstromleitung Wahle-Mecklar eine Absage erteilt. Das betrifft sowohl die Ortsteile Ersrode und Hainrode, als auch Niederthal- und Oberthalhausen und die so genannten Waldtangente im Bereich des Schlosses Ludwigseck.

„Die Waldtangente ist tot“, sagt Sonja Steinkirchner, die Projektleiterin von Tennet. Donnerstag hatte sie die Ergebnisse der Variantenprüfung den Gemeindevertretern in Ludwigsau vorgestellt. „Das schlimmste war die stille Enttäuschung der Menschen“, sagt Steinkirchner, die beteuert, dass die Schutzbelange des Menschen in allen Prüfungsschritten berücksichtigt wurden. „Wir müssen uns bei der umweltfachlichen Gesamtabwägung aber an die geltenden Gesetze halten“, erklärt ihr Kollege Markus Lieberknecht.

Insgesamt hat Tennet rund 140 Kilometer der unterschiedlichsten Trassenvarianten untersucht. Dabei ging es um technische und wirtschaftliche Belange, die Schutzgüter Mensch, Tier und Pflanzen, aber auch um raumstrukturelle Belange. So wurden etwa bestehende Eingriffe in die Natur durch andere Leitungstrassen, der Abstand zur Wohnbebauung, Landschaftsschutzgebiete aber auch Fragen der Wirtschaftlichkeit geprüft.

Vor diesem Hintergrund konnte weder das Abrücken und gleichzeitige Bündeln des Trassenverlaufs im Bereich Ersrode/Hainrode überzeugen. Tennet plant, die Trasse dort dichter am Ort, entlang der bestehenden Bahnstromleitung zu führen und mit dieser zu bündeln, so dass die alte Leitung abgebaut werden kann.

Das erwünschte Wegrücken der Starkstromtrasse von Niederthal- und Oberthalhausen sei juristisch nicht durchsetzbar. Zwar soll die neue 380-Kv-Leitung weiter vom Ort entfernt verlaufen, die alte 110-Kv-Leitung bliebe aber bestehen. Auch in der Mühlbachkurve bei Neuenstein folge die neue Trasse nach Prüfung der Alternativen doch dem ursprünglich geplanten Verlauf.

Auch die Waldtangente könne nicht realisiert werden, obwohl sie deutlich kürzer und somit rund neun Millionen Euro billiger gewesen wäre. Dafür wäre aber diese Variante deutlich aufwändiger und hätte beispielsweise den Einsatz von Hubschraubern zum Masten- und Materialtransport erfordert. Anfang Juli will Tennet die Ergebnisse bei Bürger-Infomärkten der Öffentlichkeit vorstellen. Texte Links

Von Kai A. Struthoff

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