Montagsinterview: Kinder sollten ein musikalisches Leben führen dürfen, sagt Elke Suck-Iffland

„Das ist ein richtiger Traumberuf“

Nicht nur mit Blockflöten in allen Größen kennt sie sich aus: Elke Suck-Iffland lebt Musik. Foto: Vera Walger

Rotenburg. Sie leitet Chöre und Blockflötengruppen, beschäftigt sich mit Folk, mit jungen Streichern und hat auch Kraft für die ganz großen Projekte. Elke Suck-Iffland hat mit der Musik ihre Berufung gefunden. Ganz besonders gern arbeitet sie mit Kindern. Wir sprachen mit ihr über Begeisterung und Motivation, das leidige Üben – und wir retten die Ehre der Blockflöte.

Frau Suck-Iffland, wird die Blockflöte als Instrument unterschätzt? Elke Suck-Iffland: Völlig. Wenn man sagt, dass man Blockflöte spielt, wird man belächelt. Die meisten denken dabei an eine quietschende Sopranblockflöte.

Aber sie kann mehr als „Winter adé“? Suck-Iffland: Ja. Bei uns in der Stiftskirche spielen die Kinder bald auch Altflöte. Damit eröffnet sich ihnen eine ganz andere Literatur. Und sie kommen ins Blockflötenensemble, das ist toll. Man kann mit der Blockflöte anspruchsvolle Musik spielen, mit anderen zusammen.

Und dann lernen die Kinder noch mehr, als Töne zu blasen. Suck-Iffland: Die Kinder lernen ihre Atmung so zu kontrollieren, dass sie mit den anderen harmonieren. Der gemeinsame Klang, das erzeugt ein Glücksgefühl. Und gleichzeitig fördert es die Sozialkompetenz. Ich merke, wie die Gruppen immer mehr zusammenwachsen, das ist ein längerer Lernprozess.

Haben Kinder überhaupt Zeit für solche musikalischen Lernprozesse? Suck-Iffland: Die Schule nimmt viel Raum ein. Ich finde aber, Kinder sollten die Chance bekommen, neben der Schule ein musikalisches Leben zu bekommen.

Muss man sich heute sehr viel einfallen lassen, um Kinder zu motivieren? Suck-Iffland: Kinder haben heute viel mehr Freizeitaktivitäten als früher. Was man macht, muss schon interessant sein. Gerade der Anfang ist bei der Musik ein bisschen mühsam. Wir motivieren viel über gemeinsames Spielen und über Musikfreizeiten. Die Kinder wollen etwas erleben. Und sie wollen Erfolgserlebnisse haben.

Kann klassische Musik Kinder noch begeistern? Oder muss alles modern sein? Suck-Iffland: Ich gehe eher klassisch vor. Aber ich verschließe mich auch nicht vor moderner Musik. Die Kinder wollen das auch, das muss einfach sein. Aber eine klassische Grundlage ist notwendig, die bekommt jeder bei mir.

Aber geht der Weg nicht weg von den klassischen Instrumenten – Melodika und Keyboard statt Flöte und Klavier? Suck-Iffland: Nein. Vor 15 Jahren war der Keyboard-Boom heftig. Aber jetzt geht der Trend wieder zu Klavier und Flöte, zurück zum Bewährten.

Kann eigentlich jedes Kind Musik machen? Suck-Iffland: Ich würde nie zu einem Kind sagen: Bei dir hat es keinen Sinn, du lernst das nie. Natürlich sind die Begabungen unterschiedlich ausgeprägt. Aber wenn ein Kind mit einem Instrument nicht zurechtkommt, dann schicke ich es nicht weg, sondern animiere es, ein anderes Instrument auszuprobieren.

Üben gehört bei jedem Instrument dazu. Wie schafft man es, dass Kinder üben? Suck-Iffland: Es gibt diese Wunschvorstellung bei Eltern, dass die Kinder allein üben. Aber im Grundschulalter klappt das nicht. Die Kinder brauchen Unterstützung. Es hilft schon, wenn die Eltern einfach dabeisitzen. Regelmäßigkeit ist wichtig, aber auch nicht zu viel Zwang. Zehn Minuten am Tag ist schon gut. Erst ab dem 7. Schuljahr etwa üben Kinder selbstständig.

Wie haben Sie eigentlich gemerkt, dass Sie gern mit Kindern arbeiten? Suck-Iffland: Ich habe in meiner Jugend in der Musikschule ausgeholfen. Da wusste ich sofort: Unterrichten macht mir Spaß. Meine Arbeit ist für mich ein richtiger Traumberuf. Ich habe dauernd Ideen. Und mache auch ständig Fortbildungen. Das ist so ein Drang: Ich muss gucken, was es gibt, um Kinder zu fördern.

Von Vera Walger

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