250 Dinge, die wir an der Region mögen (198): Die Backhäuser von Obergeis

Brot backen auf dem Lande

Handwerk: Elli und Willi Knierim backen in Obergeis das Brot noch selbst. Im Ort gibt es noch drei Backhäuser. Foto: Miehe

Obergeis. In Obergeis werden bis zur Gegenwart noch drei Backhäuser genutzt. Über zehn Familien backen hier noch regelmäßig ihr Brot selbst. Da das Brotbacken in Obergeis von einigen Familien über all die Jahrzehnte, als in anderen Dörfern die Backhäuser mangels Nutzung stillgelegt wurden, beibehalten wurde, hat man 1992 während der Dorferneuerung die drei vorhandenen Backhäuser sogar nochmals renoviert.

Elli Knierim ist eine der Frauen, die ihre Familie noch mit selbst gebackenem Brot verwöhnt, ja sie backt auch für die Familien ihrer Kinder und andere Verwandte sowie für einige Bekannte noch ein Brot mit – schließlich hat das im Holzofen gebackene Brot einen besonders guten Geschmack und ist so sehr begehrt.

Von Kindheit an hat Elli Knierim beim Brotbacken zugeschaut und ihrer Oma und Mutter auch Handreichungen gemacht. So konnte sie als junge Frau, nachdem sie von Ibra nach Obergeis geheiratet hatte, diese Fertigkeiten gleich unter Beweis stellen. Und so hielt sie am Brotbacken auch in Obergeis fest und buk mit ihrer Schwiegermutter alle drei bis vier Wochen für ihre Familie das benötigte tägliche Brot.

Bereits zwei Tage vor dem Backen muss der alte Sauerteig, getrocknete Reste vom vorherigen Backen, in Wasser eingeweicht und warm gestellt werden – das nennt man „ansäuern“. Am Abend vor dem Backtag wird dann „eingesäuert“, das heißt die kleine Menge vom alten Sauerteig wird nun im Backtrog mit dem ganzen Mehl unter Zugabe von warmem Wasser vermengt. Damit das Brot gut gelingt, macht Elli Knierim nach alter Sitte auf den Sauerteig drei Kreuze – im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Schließlich ist es nicht selbstverständlich, dass das Brot gut gerät. Trotz solider Erfahrung reißt das Brot manchmal oder backt ab.

Über Nacht geht dann der Sauerteig; dazu muss der Raum schön warm sein – Elli Knierim heizt diesbezüglich ihre Waschküche ein. Morgens wird dann der Sauerteig nochmals mit Mehl, Wasser und etwas Salz vermengt, alles „gesäuert“, und durchgeknetet – früher hat man dazu „gewelmt“, in anderen Dörfern „gewirkt“ gesagt. Bevor die Laibe geformt und auf die Backdiele gesetzt werden können, muss der Teig nochmals etwa eine Stunde im Warmen gehen.

Den Ofen anheizen

In der Zwischenzeit muss der Backofen angeheizt werden, das macht normalerweise Ehemann Willi Knierim. Mit einer Welle Reisig und armdicken gut trockenen Buchenknüppeln, die er im Winter nach Absprache mit dem Förster im Wald holt, feuert er den Ofen an. Nach etwa zwei Stunden ist das Holz abgebrannt und der Ofen auf etwa 350 Grad erhitzt – damit die Steinplatten gleichmäßig erwärmt werden, muss die Glut immer wieder mal verteilt werden. Schließlich kann die abgebrannte übrige Glut mit dem Kiss, einem Schaber mit langem Stiel, aus dem Ofen herausgeholt werden. Das Brot kann aber erst bei etwa 250 Grad eingeschossen werden – früher hat ihre Oma die Hitze im Ofen mit ein paar ausgedroschenen Kornähren geprüft; wenn diese beim Einführen mit dem Häler schwarz wurden, war der Ofen noch zu heiß, wurden diese braun, dann war die Temperatur richtig. Heute prüft man die Temperatur natürlich mit einem Thermometer.

Nachdem die Steinplatten mit einem feuchten Tuch ausgewischt worden sind, können die Laibe mit dem so genannten Häler, einem Holzbrett mit langem Stiel, eingeschossen werden.

Von Brunhilde Mihe

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