Ferdinand Winter feiert das seltene Fest der Eichenkonfirmation – Immer zufrieden

Blick zurück nach vorn

Vater, Großvater und Urgroßvater von Mia und Samuel: Bei guter Gesundheit konnte Mecklars ältester Einwohner Ferdinand Winter zusammen mit seinen Töchtern Anneliese Weise (links) und Bärbel Ney das überaus seltene Fest der Eichenkonfirmation begehen. Anneliese und Enkelsohn Daniel schauen bei ihm nach dem Rechten, Bärbel ruft fast jeden Tag an. Foto: Apel

Mecklar. Am 17. Juli 1920 wurde er im Dorf an der Fulda „uff dr Gass“ geboren. Hier hat er immer gewohnt, manchen Schicksalsschlag erlebt, aber er ist auch bewahrt worden vor Schlimmerem. Jetzt hat Ferdinand Winter Eichenkonfirmation feiern können.

Pfarrerin Karin Ludwig-Heiderich musste erst einmal nachforschen, wie es heißt, wenn jemand vor 80 Jahren konfirmiert worden ist und mit goldenen und diamantenen Konfirmanden feiern will. Im ganzen Kirchenkreis war offensichtlich noch nie zu einem solchen Jubiläum eingeladen worden.

Blitz schlug ein

Ferdinands Kindheit war nicht immer behütet. Als er elf Jahre alt war, verlor er seine Mutter, nur ein Jahr später schlug ein Blitz auf dem Hof der Eltern ein.

Wie es damals üblich war, musste er schon früh in der Landwirtschaft mithelfen. Zur Schule ging er zusammen mit elf Jungen und 14 Mädchen, von denen neben ihm nur noch Käthe Weise geb. Salzmann, die älteste Einwohnerin Mecklars lebt. Seine Lieblingsfächer waren Deutsch, Rechnen und Schönschreiben. An Hauptlehrer Karl Nölker, der sonntags die Orgel spielte, regelmäßig den Pfarrer vertrat und dessen Zwerghühner und Vögel er während dessen Urlaub versorgen durfte, hat Ferdinand nur gute Erinnerungen: „Das war ein prima Kerl!“

Auch an den Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Friedrich Sinning denkt er gerne zurück. „Wir haben natürlich auch Quatsch gemacht. Da hat’s dann Watschen gegeben, aber Pfarrer Sinning war so gerecht, dass er sogar seiner eigenen Tochter eine Ohrfeige gab, wenn sie eine verdient hatte!“ Konfirmation gefeiert wurde zuhause, und die Geschenke waren eher bescheiden: „Selbstgestrickte Strümpfe zum Beispiel, es hatte doch kaum einer groß Geld.“

Nach der Lehre bei der Hersfelder Spirituosenfabrik Strippel stand der Arbeitsdienst an, der Ferdinand nach Spangenberg und Heiligenstadt führte: „Das war eine harte Zeit. Wir haben gerodet, Straßen gebaut und Bauern bei der Ernte geholfen. Aber es gab ordentliches Essen.“ Als Soldat verschlug es ihn nach Meiningen und dann nach Frankreich, wo er mit 120 Kameraden in Gefangenschaft geriet und über Südengland und Schottland nach Kanada transportiert wurde. Noch heute weiß der 94-Jährige den Ankunftstag: Es war sein 20. Geburtstag.

In Handschellen

Ein Vierteljahr musste er im Lager tagsüber Handschellen tragen, dann ging es lockerer zu, und Ferdinand hatte das Glück, drei Jahre lang in der Küche arbeiten zu dürfen. Später musste er in der Wildnis Holz einschlagen.

Von Wilfried Apel

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