Neuer Anlauf für Umgehungsstraße – Regierungspräsidium prüft nun doch Waldtrasse

Bewegung in Ludwigsau

„Ich bin stolz auf Ludwigsau und auf das Miteinander in der Bürgerschaft“, sagte Thomas Baumann bevor er vom Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Peter Schütrumpf (links), und dem 1. Beigeordneten, Willi Kümmel (rechts), zum vierten Mal als Bürgermeister vereidigt wurde. Foto: Kai A. Struthoff

Bad Hersfeld. Es gab viele Geschenke in der Gemeindevertretersitzung in Ludwigsau. Thomas Baumann, der am Montagabend zum vierten Mal als Bürgermeister vereidigt wurde, bekam viele Blumen, Bücher, Wein und gute Wünsche. Und er revanchierte sich mit zwei guten Nachrichten – getreu seines Amtsversprechens, „diese Gemeinde zu verteidigen“.

Nachricht Nummer 1: Offenbar kommt wieder Bewegung in die unendliche Geschichte um die Umgehungsstraße. So werden derzeit mit dem Hessischen und dem Bundesverkehrsministerium wieder Gespräche über eine Verlegung der B 27 geführt.

Ministerien uneins

Im Amtsdeutsch heißt das Variantenuntersuchungen. Sie beruhen auf Gutachten, die 14 Streckenführungen geprüft haben, und einem daraus resultierenden „priorisierten“, also bevorzugten, Vorschlag.

Über diesen Vorschlag gibt es allerdings Differenzen zwischen Bund und Land. Bürgermeister Baumann war persönlich im Verkehrsministerium in Bonn, um zu verhandeln.

Außerdem läuft derzeit eine Befragung der Anlieger zwischen der Hersfelder Straße (B 27) und dem Bahndamm, ob sie überhaupt bereit wären zu verkaufen. „Die Verkehrswerte sind wegen der Lage sehr niedrig“, erklärte Baumann. Zudem gebe es unterschiedliche Interessen bei Besitzern von Wohn- oder Geschäftsimmobilien. Über die Ergebnisse der Befragung wollte Baumann noch nichts sagen. Auch über die Gespräche mit den Ministerien wurde Verschwiegenheit vereinbart, bis eine abschließende Entscheidung vorliegt.

Wenig verschwiegen, sondern durch lauthalsen Protest ist es indes zur guten Nachricht Nummer 2 gekommen, die Baumann mitteilen konnte. Nach Gesprächen mit dem Regierungspräsidium und dem Starkstromtrassen-Betreiber Tenne T wird nunmehr endlich auch die von Ludwigsau favorisierte sogenannte „Waldtangente“ im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens geprüft und mit der anderen, bereits vorliegenden Trassenvariante verglichen.

Lohn der Beharrlichkeit

Der zu prüfende Trassenkorridor habe eine Breite von bis zu 26 Kilometern. Er entspreche zumeist dem Vorschlag Ludwigsaus bis auf einen Bereich im FFH-Gebiet „Wald bei Lüdersdorf“ im unteren Rohrbachtal. „Der jetzt erarbeitete Trassenkorridor beginnt auf Höhe der Ortslage Gerterode und führt dann in Richtung Licherode“, erläuterte Baumann. Sobald konkrete Aussagen des Regierungspräsidiums vorliegen, will Baumann wieder berichten.

„Unsere Beharrlichkeit zahlt sich aus“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Rainer Koch. Auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Peter Schütrumpf, freute sich und sagte: „Diese Nachricht höre ich gern“.

Von Kai A. Struthoff

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