65 Jahre gemeinsames Leben: Erika und Karl Ernst aus Friedlos feiern Eiserne Hochzeit

Beim Tanzen hat es gefunkt

Erika und Karl Ernst aus Friedlos feiern heute ihre Eiserne Hochzeit. Foto: Schmidl

Friedlos. Eine „ganz wunderbare Hochzeit“ im kleinen Kreis haben Erika und Karl Ernst auf den Tag genau vor 65 Jahren im Elternhaus von Karl Ernst gefeiert. Heute genießen sie dort die Zweisamkeit in ihrer gemütlichen Wohnung unter einem Dach mit Sohn Harald und Schwiegertochter Hertha.

Geheiratet hat die Braut im geborgten Kleid im Tausch gegen Speck und Wurst, der Bräutigam im vom Schwager genähten schwarzen Anzug, für den er bei der damaligen Tuchfabrik Braun den Stoff erwerben konnte. Zur standesamtlichen Trauung fuhren sie mit einem Taxi nach Mecklar, wo sie den Standesbeamten Heinrich Iffland in Arbeitskleidung und Holzschuhen aus dem Stall kommend überraschten. Er hatte den Termin schlichtweg vergessen, warf sich aber schnell in Schale, um die Trauung vorzunehmen.

Das fängt ja gut an

„Das fängt ja gut an“, dachte sich die Braut, die ihren Karl im August 1946 bei einer Tanzveranstaltung im Gasthaus Herzog in Asbach kennen und lieben gelernt hatte. Kirchlich getraut wurde das Paar, der Konfession der Braut folgend, in der katholischen St.-Lullus-Sturmius-Kirche in Bad Hersfeld. „Religion war nie ein Streitthema für uns“, versichert der Ehemann, der selbst evangelisch ist. Karl Ernst (87) wurde in Tann geboren und ist mit zwölf Jahren mit seiner Familie nach Friedlos ins neu gebaute Haus gezogen.

Erika Ernst (85) stammt aus Fulda und lebte seit ihrem zehntem Lebensjahr in Bad Hersfeld, wo sie später den Beruf der Bürokauffrau erlernte und bis zur Hochzeit ausübte. Karl Ernst begann im Jahr 1948 seine Laufbahn bei der Deutschen Bundesbahn als Lokführer. In dem Jahr wurde Tochter Charlotte geboren, knapp zwei Jahre später erblickte Sohn Harald das Licht der Welt.

Während der Ehemann zunächst mit der Dampflok und später mit der Elektrolok wegen der unregelmäßigen Dienstzeiten „fast rund um die Uhr“ deutschlandweit unterwegs war, versorgte Erika Ernst Haushalt, Garten und vor allem die Kinder, mit denen sie viele Feiertage allein verbringen musste. Nach der Verrentung ihres Mannes startete Erika Ernst mit 60 Jahren beruflich richtig durch. Als Propagandistin der Hamburger Holsten-Brauerei bewarb sie den Gerstensaft mit großer Freude in der Region und darüber hinaus. Zehn Jahre lang fuhr ihr Mann sie zu den Einsatzorten.

In den 80er Jahren fing Karl Ernst an zu joggen und später trainierte er drei Mal in der Woche intensiv. Über zwanzig Marathonläufe hat der agile Senior absolviert, mit seiner Bestzeit von 3,21 Stunden. Inzwischen hält sich der Frühaufsteher mit Nordic-Walking fit.

Die Eheleute Ernst, die früher mit den Kindern und zu zweit gern verreist sind, unterstützen sich gegenseitig bei der täglich anfallenden Hausarbeit. Karl Ernst richtet jeden Morgen das Frühstück, dafür wird er von „seinem Frauchen“ lecker bekocht.

Füreinander da sein

„Füreinander da sein und durchhalten“, ist ihr Rezept für die lange glückliche Ehe. Sie freuen sich über die Besuche ihrer Enkel Christoph und Kathrin mit Ehemann Hans-Gernot und den Urenkeln Andelina und Emma-Sophie, vermissen aber noch immer und besonders heute schmerzlich ihren ältesten Enkel Gunnar, dessen Tod sie vor 21 Jahren verkraften mussten.

Von Gudrun Schmidl

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