Bischof will in Ludwigsau Großkirchspiel einrichten – Rohrbacher Protest zeigt Wirkung

Alle Kirchspiele auflösen?

Großes Interesse, gereizte Stimmung: Auf einer sehr gut besuchten Gemeindeversammlung diskutierten Gemeindemitglieder aus ganz Ludwigsau – vor allem natürlich aus Rohrbach, Tann, Biedebach und Gerterode – in der Rohrbacher Kirche über die Auswirkungen des Pfarrstellenanpassungsprozesses. Fotos: Apel

ROHRBACH. „Gut gekämpft!“, möchte man den Mitgliedern der Kirchenvorstände des Kirchspiels Rohrbach zurufen, die sich nach dem Weggang von Pfarrer Andreas Staus gegen die Aufteilung der Kirchengemeinden Rohrbach, Tann, Biedebach und Gerterode auf die Kirchspiele Mecklar, Friedlos und Beenhausen ausgesprochen haben. Denn am Freitagabend gaben Oberlandeskirchenrat Dr. Rainer Obrock und Dekan Ulrich Brill bei einer Gemeindeversammlung in der Rohrbacher Kirche bekannt, dass Bischof Prof. Dr. Martin Hein neue Wege gehen will.

Nach einem langwierigen Diskussionsprozess schlägt der Kasseler Oberhirte den Lud-wigsauer Kirchengemeinden jetzt vor, dass alle bisherigen Zusammenschlüsse aufgelöst und sämtliche Ludwigsauer Kirchengemeinden zu einem neuen Gesamtkirchspiel zusammengefasst werden. Diesem Großkirchspiel, das sich von Meckbach bis Hainrode und über die Kirchenkreise Hersfeld und Rotenburg erstreckt, würden 2,75 Gemeindepfarrstellenanteile zugeordnet – 0,75 Anteile weniger als bisher.

Bestehendes berücksichtigen

Aufgabe der Kirchenvorstände wäre es, festzulegen, in welchem Pfarrhaus ein Pfarrer wohnt und auf welche Orte sich sein Seelsorgebezirk erstreckt. Denn grundsätzlich soll nach wie vor für jeden evangelischen Ludwigsauer ein ganz bestimmter Pfarrer zuständig sein – unabhängig davon, ob Absprachen getroffen werden, dass ein Pfarrer einen ganz bestimmten Arbeitsbereich für ganz Ludwigsau oder einen Teil davon übernimmt. Das wäre ohne weiteres möglich, denn Sinn der neuen Regelung soll es sein, auf bestehende Strukturen Rücksicht zu nehmen und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu eröffnen.

Geht’s nur ums Geld?

Zu Beginn der sehr gut besuchten Gemeindeversammlung hatte sich vor allem Dekan Brill heftige Kritik anhören müssen. Georg Schmitt fragte, warum gerade dem Kirchspiel Rohrbach der Pfarrer genommen werden solle. Horst Gilfert stellte unter großem Beifall fest: „Es geht doch nur ums Geld und nicht um die Menschen! Wir zahlen für einen Service, den wir nicht mehr haben!“ Seine Schlussfolgerung, die er mit einem Szenario aus einer anderen Gemeinde untermauerte: „Sie gewinnen keine Gemeindeglieder, wenn mangels Pfarrer vor Ort kein Vertrauensverhältnis zwischen Pfarrer und Gläubigen entstehen kann!“

Demgegenüber betonte die Rotenburger Dekanin Gisela Strohriegl, die kurhessische Landeskirche werde auch in Zukunft über ein sehr dichtes Pfarrstellennetz verfügen. Ähnlich äußerte sich ihr Hersfelder Kollege Brill, der ausführlich auf die Arbeit der verschiedenen Strukturausschüsse und ihre Beschlüsse einging. Er gab auch Wilhelm Blum aus Tann Gelegenheit, das Statement der Kirchenvorsteher des Kirchspiels Rohrbach vorzutragen. Diese hatten sich ausdrücklich gegen dessen Zerschlagung und stattdessen für einen neuen kirchlichen Großverband ausgesprochen – so wie im zweiten Anlauf nun auch von Bischof Hein befürwortet.

Stellungnahme bis 31. Mai

Zum abgeänderten Vorschlag müssen alle Kirchenvorstände bis zum 31. Mai Stellung nehmen. Danach entscheidet der Bischof endgültig.

Von Wilfried Apel

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