Aus Zufall wurde Liebe – 14 Nachkommen gratulieren

Peter und Gertrud Dück sind seit 65 Jahren verheiratet

Gemeinsames Glück: Gertrud und Peter Dück (Bild oben) feiern heute in ihrer kleinen Wohnung in Gerterode ihr eisernes Ehejubiläum. Foto: Apel

Gerterode. Das seltene Fest der Eisernen Hochzeit feiern am heutigen 13. Oktober die Eheleute Peter und Gertrud Dück. Dass sie das in Gerterode im Ludwigsauer Besengrund tun, haben sie sich weder als Kinder noch als Jungvermählte träumen lassen, denn ihre Wiegen standen in der Südukraine im Schwarzmeergebiet und auf der Halbinsel Krim.

Peter Dücks Geschichte

Peter wurde als zweites von sechs Kindern des Landarbeiters Peter Dück und dessen Ehefrau Katarina im früheren Marienburg geboren. Der 85-Jährige erinnert sich noch genau an das schöne alte Dorf, an dem beiderseits der Straße ein Bauernhaus am anderen stand: „Wenn man zur Tür hinausging, konnte man alle Gebäude mit Ställen, Gärten und Brunnen sehen!“

Als Hitlers Wehrmacht einmarschierte, wurde die von den Sowjets gebildete Kolchose aufgeteilt: „Jeder war wieder Bauer!“ Aber das sollte nur zwei Jahre dauern, denn dann blieb den deutschen Bewohnern nichts anderes übrig, als mit den deutschen Truppen vor der heranrückenden Roten Armee zu fliehen. Für Peter war Endstation in Neuruppin in Brandenburg.

Aber nicht lange, berichtet er, „denn hier haben uns die Russen gepackt und in Viehwaggons und auf Schiffen bis nach Archangelsk am Weißen Meer deportiert. Die Hälfte unserer Leute – viele waren anfangs in Ställen untergebracht – ist im Winter 1945/46 gestorben.“ Durch glückliche Umstände schaffte es sein aus amerikanischer Gefangenschaft nach Krasnoturinsk im Ural-Bezirk Swerdlowsk verpflichteter Vater, die Familie zu sich zu holen.

Aber schon bald starb die Mutter, und der Vater wurde in einem Willkürprozess zu 25 Jahren Haft verurteilt. Peter war mit seinem jüngeren Bruder Jakob auf sich alleine gestellt und musste sich mit diesem als Kutscher, Klempner- und Automechanikerlehrling durchschlagen. Ein Nachbar half den beiden dabei, ein kleines Haus zu bauen, in dem die Brüder dann lebten und in dem Peter nach einem Zufallsbesuch von Gertruds Schwester Margarita seine spätere Ehefrau kennenlernte.

Gertrud Dücks Geschichte

Gertrud ist auf der Krim als fünftes von neun Kindern des Landarbeiters und Gemeinderechners Peter Rehberg und dessen Ehefrau Margarita auf die Welt gekommen. Ihre ganze Familie wurde 1941 nach Kasachstan deportiert, wo das junge Mädchen das Glück hatte, für „Essen, Trinken und Schlafen“ als Kindermädchen arbeiten zu dürfen.

1946 holte sie ihr mit der Arbeitsarmee verschleppter Bruder Peter mit der Mutter und den Geschwistern nach Krasnoturinsk, wo sie heute vor 65 Jahren ihren „eisernen“ Bräutigam heiratete.

Die Gemeinsame Geschichte

Die Hochzeit fand ganz bewusst an einem 13, in ganz kleinem Kreis mit gerade einmal 13 Leuten statt. „Sie hat mir gleich gefallen!“, erzählt Peter hellwach mit noch immer strahlenden Augen und mit der seiner Frau gebührenden Bewunderung: „Als wir beide später im Aluminiumwerk von Krasnoturinsk als Schweißer beschäftigt waren, hat Gertrud zeitweise schwerer gearbeitet als ich!“

Drei Kinder wurden dem Jubelpaar geschenkt, und mit seinen geschickten Händen erfüllte Peter der Familie so manchen Wunsch. „Er konnte alles, er war der beste Mann!“, berichtet Gertrud, „er hat sogar zwei Autos für uns gebaut!“ 1995 entschloss sich das Jubelpaar dennoch, mit den Kindern nach Deutschland auszureisen, wo es nach den Stationen Frankfurt, Friedland und Wallenstein zunächst in Friedlos landete.

„Er konnte alles, er war der beste Mann!“

Im Jahr 2000 baute Peter dann mit seinem Sohn Sergej in Gerterode ein neues Heim, in dem er jetzt mit seiner Frau Gertrud wohnt. Auch beim Bau der Kirche der Evangelischen Christen-Baptisten-Gemeinde im Bad Hersfelder Zellersgrund hat der in ganz Gerterode Bekannte mitgeholfen: „Die Arbeit war mein Hobby!“

Rückblickend sagt der zweimal vor Hunger fast gestorbene Stammvater von sieben Enkeln und vier Urenkeln: „Gott hat unser Leben geführt, und so wohnen wir jetzt hier und können uns nicht sattfreuen, so gut leben wir hier!“

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