Zeit ist Geld, lautet das Motto

Sauerkraut für Kühe: Silageernte auf dem Hof Trunsbach

Landtechnik im Einsatz: Der Feldhäcksler des Rotenburger Lohnunternehmens Bengsch nimmt die Schwade auf und befördert den Grasschnitt auf den Häckselwagen. Fotos: Eisenberg

Niederthalhausen. Der Leitsatz „Zeit ist Geld" gilt auch bei der Silageernte. Denn den Feldhäcksler des Rotenburger Lohnunternehmens Bengsch müssen Helmut und René Wehnes, die gemeinsam den Hof Trunsbach bei Niederthalhausen bewirtschaften, nach Einsatzstunden bezahlen. Deshalb haben Vater und Sohn nur ihre großen Wiesen gemäht. Auf kleinen oder verwinkelten Flurstücken müsste die Maschine zu häufig wenden - und das kostet wertvolle Minuten. Den Grasschnitt von diesen Flächen wollen sie später mit dem eigenen Ladewagen nach Hause holen.

Anfang oder Mitte Mai - je nach Wetterlage und Graswachstum - beginnen die Landwirte mit der Silage-Ernte. 60 Hektar Wiesen haben René und Helmut Wehnes in den vergangenen Tagen gemäht und das Schnittgut antrocknen lassen. Das Mähwerk lege das Gras vergleichsweise breit auf der Wiese ab. Anders als bei der Heu-Trocknung müsse das Erntegut nicht gewendet werden, erklärt René Wehnes.

Schwader im Einsatz 

Am Abend vor der Ernte wurde das Gras geschwadet - also von den an zwei rotierenden Kreiseln montierten Zinkenarmen des Schwaders zu langen Reihen zusammen gerecht. Auch mit dieser Arbeit hat die Familie einen Lohnunternehmer beauftragt. Der Grund: Der eigene Schwader mache mit acht Metern Arbeitsbreite einfach zu dünne Schwade für den Häcksler - der für wenig Erntegut viele Kilometer fahren müsste.

Jetzt soll das Mähgut ins Fahrsilo. Allerdings verzögert sich die Ankunft des Dienstleister - was die Landwirte sichtlich nervös macht: „Wir hatten gehofft, das Silo heute Abend zudecken zu können“.

Dann geht es aber Schlag auf Schlag: Mit der Sammelwalze nimmt der Häcksler die Schwade auf und bläst das zerkleinerte Erntegut auf zwei nebenherfahrende Häckselwagen des Lohnunternehmens. Im Pendelverkehr steuern die das betonierte Fahrsilo neben dem Hof an. Dort fahren ein angemieteter Walzschlepper und ein eigener Traktor der Familie die Silage fest. Der angebaute Siloverteiler - eine mit Blechen besetzte, rotierende Trommel - verstreut das Häckselgut fein, die Traktorreifen verdichten es.

Silage-Ernte auf Hof Trunsbach

Am Ende wird die Familie den Silohaufen mit zwei Lagen Plane abdecken und deren Ränder mit Sandsäcken beschweren. Gewissenhaftigkeit zahle sich dabei aus: „Am nächsten Tag muss sich unter der Folie eine Gärblase bilden. Dann ist das Silo dicht“, erklärt Helmut Wehnes. Unter Luftabschluss setzt dann die sogenannte Milchsäuregärung ein, die das Gras haltbar macht. Das sei ein wenig vergleichbar mit der Herstellung von Sauerkraut, verdeutlicht Kreisbauernverbands-Geschäftsführerin Anke Roß. Nach etwa sechs Wochen ist dieser Prozess abgeschlossen. Dann dient die Silage als Winter-, beziehungsweise im Sommer, wenn die Tiere auf der Weide sind, als Zufutter für die rund 80 Kühe der Familie.

Anders als beim Heu, das als Raufutter ebenfalls in den Trögen der Tiere landet, seien die Landwirte bei der Ernte weniger auf Schönwetterperioden angewiesen, betont René Wehnes. Zudem habe die Silage wegen des früheren Schnittzeitpunkts und weniger Trocknungsverlusten einen höhere Energiedichte.

Drei bis viermal pro Saison können die Wiesen gemäht werden. Gelagert wird die Silage entweder in großen Fahrslios, oder in mit Plastikfolie umwickelten Rundballen am Feldrand. Hochwertige Silage, erläutert Helmut Wehnes, habe zwar einen Eigengeruch - stinken dürfe sie aber nicht.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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