Das Dorf seiner Kindheit

Erwin Willing hat ein Buch über seine Jugend in Meckbach geschrieben

Unser Foto zeigt Erwin Willing vor dem Haus seiner Geburt und seiner Jugend, der ehemaligen Meckbacher Dorfschule. Heute dient sie als Dorfgemeinschaftshaus des Ortes. Foto: Eyert

Erwin Willing ist viel herumgekommen. Er war Oberst der Luftwaffe und hat den Starfighter geflogen. Er hat Psychologie studiert und Seminare für Betriebsräte gegeben. Geboren und aufgewachsen ist Willing 1934 als Sohn des Dorflehrers Jakob Willing in Meckbach. Und darum geht es in seinem Buch „Dinner un Bücks sinner“.

Lehrer, Förster und Pfarrer bildeten über viele Jahre hinweg die Oberschicht in den Dörfern der Region. Nicht nur in Meckbach merkte man das daran, dass sie als Einzige im Dorf gesiezt wurden. Erwin Willing selbst wollte einfach nur zu seinen Meckbächern dazugehören, sich den dörflichen Bräuchen anpassen und keinesfalls als abgehoben erscheinen, schildert er. Seinen Eltern war das gar nicht recht: Sie befürchteten, ihr Sohn würde zu sehr in die Abgründe der Provinz abdriften. Trotz dieses Zwiespalts bezeichnet Willing seine Kindheit und Jugend als erlebnisreiche Zeit, auch wenn Nationalsozialisten und Krieg erheblichen Einfluss auf das Leben der Familie nahmen. Der Autor widersteht in seinem Werk „Dinner un Blücks sinner“ erfolgreich der Versuchung, die Vergangenheit im rosaroten Licht weichgespülter nostalgischer Erinnerungen darzustellen.

Dem Drohen nachgegeben

So nimmt denn auch der Einfluss der örtlichen Nazis in der Erzählung den gebührenden Raum ein. Der ansonsten im Dorf hoch angesehene Lehrer Willing, zugleich Chorleiter und Organist, verlor aufgrund seiner Distanz zu den Machthabern zusehends an Rückhalt. Infolge fortschreitender Denunziationen und seines angeschlagenen Gesundheitszustands gab Jakob Willing dem Drohen der Nationalsozialisten schließlich nach und trat 1937 der NSDAP bei. Hätte er sich geweigert, wäre die Entlassung aus dem Schuldienst wohl noch die günstigste Alternative gewesen. Parteiaktivitäten entfaltete Willing Senior allerdings nicht.

Köstliche Beschreibung

Gleichermaßen köstlich wie bedenkenswert ist auch Erwin Willings Beschreibung der noch heute in Meckbach legendären Kaufmannsfrau mit den zwei großen Lieben im Herzen: Die eine Liebe galt Adolf Hitler, die andere Gott. Ein- und dieselbe Person bespuckte den amerikanischen Kriegsgefangenen, der durchs Dorf geführt wurde, um später die amerikanischen Befreier mit Erfrischungen und Süßigkeiten zu beglücken, ruft Willing in Erinnerung. Weitere Kapitel des Buches handeln von der Konfirmandenzeit mit dem noch heute sprichwörtlichen Pfarrer Rück sowie der Schulzeit weit weg von den Spielkameraden der Kindheit auf dem Gymnasium in Bad Hersfeld.

Nach dem Abitur verließ Erwin Willing Meckbach, ging zur Luftwaffe und saß als Pilot im Cockpit des Starfighters. Nach seiner Zeit bei der Luftwaffe studierte er und widmete sich seiner zweiten Karriere als Seminarleiter.

Geblieben ist die Erinnerung an das Dorf seiner Jugend. Diese Erinnerung wiederzugeben, war für Erwin Willing Motivation fürs Schreiben. Entstanden ist ein wunderbares Werk der Zeitgeschichte, eine Hommage an das Dorf der Kindheit, die Ode eines Vielgereisten an die Bedeutung von Heimat und Jugend.

Mehr über das Buch lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der Hersfelder Zeitung

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