Großübung der Kirchheimer Feuerwehr zeigte Schwachstellen auf

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Extrem schwierig war die Alarmübung der Kirchheimer Feuerwehrenim Beiersgraben unterhalb des ICE-Überholbahnhofs. Trotz einiger Probleme hatten die 90 Feuerwehrfrauen und Männer am Ende einen guten Job gemacht.

Kirchheim. Ein nicht funktionierender Alarmplan, zu wenig Einsatzkräfte, eine teilweise überforderte Führungsmannschaft und der zwischenzeitliche Zusammenbruch der Wasserversorgung waren die erschreckende Bilanz einer - zugegebenermaßen - extremen Alarmübung der Kirchheimer Feuerwehren.

Ein von einem Handwerker ausgelöster Zimmerbrand in einem leer stehenden Wohnhaus auf dem Hof der Familie Meister im Beiersgraben, mehr als einen Kilometer weit weg von Goßmannsrode, dem nächstgelegenen Ort, war Ausgangspunkt des von Gemeindebrandinspektor Thomas Schneemilch und seinem Stellvertreter Pascal Krause ausgearbeiteten Szenarios.

Zu spät alarmiert 

Gemäß gültigem Alarmplan wurde zunächst nur das Wälsebachtal - also die Feuerwehren Reckerode, Goßmannsrode und Reckerode - plus die Feuerwehr Kirchheim alarmiert. Erst später wurden die Züge Aulatal und Ibratal nachalarmiert. Ein Fehler, wie sich herausstellte.

Dann kümmerte sich das Team Wälsebachtal zunächst um die Wasserversorgung, statt um die Personenrettung. Das Flaggschiff der Kirchheimer war nur mit zwei Personen besetzt ausgerückt und damit zwar vor Ort, aber nicht wirklich einsatzbereit. Zudem mangelte es an Führungskräften, und die hatten dann auch noch Probleme mit der Kooperation.

Schließlich brach die Wasserversorgung zusammen, nachdem neben einem Hydranten auf dem Gelände des nahe gelegenen ICE-Überholbahnhofs ein zweiter Hydrant vor Ort angezapft wurde. Ein naher Feuerlöschteich auf dem Gelände der Bundesbahn ist komplett zugewachsen und bestenfalls mit Allrad-Traktoren zu erreichen.

Immer neue Situationen 

Dazu wurden die Einsatzkräfte ständig mit neuen Situationen konfrontiert. So gab es plötzlich, neben dem unter Atemschutz geretteten Handwerker, eine zweite Person im zweiten Stock des Hauses und zudem war mittlerweile das Treppenhaus eingestürzt. Über eine Steckleiter konnte dann aber auch dieser Mensch gerettet werden.

Die Hersfelder Drehleiter war in erster Linie alarmiert worden, um zu testen, ob sie auf dem stark abfallenden Gelände zum Einsatz kommen kann, und immerhin das funktionierte problemlos.

„Jetzt müssen wir den Einsatzplan überarbeiten, unsere Führungskräfte noch besser ausbilden“, zog Schneemilch Bilanz. „Bei einem solchen Szenario müssen wir nicht zuletzt wegen des knappen Personalstandes und der langen Anfahrtswege sofort alle Wehren alarmieren.“ Zudem müssten bei einem solchen Großeinsatz - 90 Einsatzkräfte waren beteiligt - mehrere Abschnitte gebildet und die Zusammenarbeit der Führungskräfte besser koordiniert werden. Ähnlich äußerte sich Kreisbrandmeister Udo Mohr, der neben Schneemilch und Krause als dritter Übungsleiter fungierte. Besonders müsse der Mannschaft noch einmal klar gemacht werden, dass „Menschenrettung vor Brandbekämpfung geht“.

Nachbarn mit alarmieren 

Gar nicht vorstellen angesichts der Personalsituation wollten sich die Verantwortlichen, was wäre, wenn solch ein Brand an einem Wochentag ausbräche, wenn die meisten Feuerwehrleute ihrer Arbeit nachgehen. Dann müssten am besten sofort auch die Feuerwehren der Nachbargemeinden mit alarmiert werden. (lö)

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