Die meisten Bauernhöfe in der Region werden im Nebenerwerb betrieben

Landwirtschaft: Tagsüber ins Büro, abends auf den Acker

Generationswechsel: Während Walter und Martha Faulhaber (von links) ihren Hof in Gershausen noch im Haupterwerb geführt haben, hilft Sohn Holger nur noch nebenberuflich mit. Foto: Eisenberg

Gershausen. Wenn Holger Faulhaber von der Arbeit kommt, schwingt er sich oft noch auf den Schlepper.

Seinen Lebensunterhalt verdient der 45-Jährige bei der Flurbereinigungsbehörde in Homberg, nach Feierabend verwaltet er den Hof seiner Eltern im Kirchheimer Ortsteil Gershausen. Faulhaber ist Nebenerwerbslandwirt – einer von vielen in der Region.

Etwa dreiviertel der Höfe im Kreis werde nebenberuflich geführt, erklärt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands, Anke Roß. Die Bandbreite reiche dabei von nur einem oder zwei Hektar Land bis hin zu fast dreistelligen Flächengrößen.

Faulhabers Eltern Walter und Martha haben mit dem Hof noch ihren Lebensunterhalt bestritten. Mit 140 Rindern, darunter 40 Milchkühe, habe man einst sogar als großer Betrieb gegolten, erinnert sich Walter Faulhaber.

Milchwirtschaft aufgegeben

Die Milchwirtschaft hat die Familie 2007 nach einem Arbeitsunfall des Seniors aufgegeben. Insgesamt rund 40 Tiere – 13 Ammenkühe samt Nachwuchs und zwei Schweine – leben heute noch in den Ställen und auf den Weiden. 50 Hektar Land bewirtschaftet die Familie. Hauptberuflich in den Betrieb einzusteigen, sei für ihn nicht in Frage gekommen, betont Holger Faulhaber. „Um davon leben zu können, hätte man Millionen investieren müssen“, verdeutlicht der 45-Jährige. Studiert hat der Diplom-Vermessungsingenieur in Bochum. Schon damals sei er am Wochenende nach Hause gekommen, um Schlepper zu fahren, erinnert sich seine Mutter Martha.

Weil sein Lebensumfeld und Bekanntenkreis im Ibratal angesiedelt waren, sei er zurückgekehrt, erklärt Holger Faulhaber. Zwar sei er bei seiner Arbeitszeit in begrenztem Maße flexibel, Beruf und Landwirtschaft unter einen Hut zu bringen, sei dennoch nicht immer einfach. In diesem Jahr habe das ideale Erntewetter beispielsweise erst eingesetzt, als sein Urlaub schon vorbei war. Im Zweifel gehe der Beruf vor, die Feldarbeit müsse – soweit sei nicht von seinen Eltern erledigt werden könne – bis nach Feierabend warten. Dass die junge Generation anderswo ihr Auskommen finde, nebenher aber weiter in der Landwirtschaft mitarbeite, sei der klassische Fall, wie ein Hof vom Haupt- zum Nebenerwerbsbetrieb wird, erklärt Anke Ross. Allerdings gebe es jährlich ein bis zwei Feierabendbauern, die wieder – oder sogar ganz neu anfangen.

Lebendige Ortskerne

Der Nebenerwerbslandwirtschaft komme im ländlichen Raum eine wichtige Aufgabe zu: Sie trage dazu bei, dass Ortskerne lebendig bleiben und Gebäude wie Ställe und Scheunen nicht leer stehen. Dennoch sei damit auch ein Wandel verbunden: „Als erstes gehen meist die Milchkühe vom Hof“, sagt Anke Roß. Jeden Tag noch vor der Arbeit zum Melken in den Stall zu müssen – das könne und wolle auf Dauer niemand leisten.

Wie lange auf dem elterlichen Hof noch Rinder gehalten werden, weiß auch Holger Faulhaber nicht genau. Die Landwirtschaft ganz aufzugeben sei derzeit aber noch kein Thema.

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