Wahlprüfsteine: In Kirchheim setzen die Parteien auf die zentrale Lage der Gemeinde

Leben von und mit dem Kirchheimer Dreieck: Die Autobahn führt in Kirchheim direkt am historischen Ortskern mit Kirche und Schloss (im Hintergrund) vorbei. Foto: Konopka

Kirchheim. Die Rollen in der Kirchheimer Gemeindevertretung sind klar verteilt: Mit 14 Sitzen hat die SPD eine satte Mehrheit und ist damit eine verlässliche Stütze für Bürgermeister Manfred Koch. Die acht CDU-Gemeindevertreter nehmen die Rolle der Opposition ein: Berühmt-berüchtigt ist der gelegentliche Schlagabtausch zwischen dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Curth und dem Bürgermeister. Dennoch: Unstrittiges wird in der Schutzschirmgemeinde auch einstimmig beschlossen.

Wie können die Finanzen der Gemeinde langfristig auf solide Füße gestellt werden? 

Die CDU will die Bürger nicht mit Gebührenerhöhungen und neuen Steuern belasten, sondern setzt auf Neuansiedlungen von Unternehmen, was aber mit Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuern nicht gelinge. Zudem müsse die Ausgabeseite auf den Prüfstand, was bisher nicht geschehen sei. Alle kostenträchtigen Entscheidungen würden in den Gemeindewerken unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffen. Das wollen die Christdemokraten ändern, um mehr Transparenz zu erhalten und notfalls gegensteuern zu können. Die SPD verweist darauf, dass die Gemeinde bereits den dritten ausgeglichenen Haushalt in Folge vorgelegt hat. Die Sozialdemokraten setzen auf interkommunale Zusammenarbeit, und wollen die Entwicklungsmöglichkeiten nutzen, die sich durch den Verkehrsknotenpunkt ergeben. Dazu zählen für die SPD die Unterstützung der vorhandenen Unternehmen und die weitere Stärkung des Einzelhandels durch neue Ansiedlungen, um den Standort Kirchheim auch für Durchreisende noch interessanter zu machen.

Die Übernachtungszahlen in Kirchheim sind weiter eingebrochen. Wie soll der Tourismus angekurbelt werden? 

Für beide Fraktionen ist der Grund für den Einbruch, dass das Motel und das Hotel am Hattenberg als Übernachtungsmöglichkeiten weggefallen sind. Die SPD sieht die touristische Zukunft im Rotkäppchenland sowie im Ausbau des Wochenendtourismus, für den Kirchheim gut erreichbar wäre. Zudem müsse der Standort für das Tagungsgeschäft attraktiver gemacht werden. Dazu zähle eine Bündelung von Angeboten, zum Beispiel Wochenende im Seepark mit Hüttenabend auf dem Eisenberg, aber auch die Einrichtung einer Fernbus-Haltestelle oder eines Fernbusbahnhofs für bessere Erreichbarkeit.

Die CDU beklagt, dass der Seepark auch durch die negativen Pressemeldungen an Attraktivität verloren habe. Es seien in der Vergangenheit aber auch falsche oder gar keine Entscheidungen getroffen worden, um das Interesse von Urlaubern oder Geschäftsreisenden zu wecken. Es gelte nicht, Trends hinterherlaufen, sondern selbst welche setzen. Um erfolgreich zu sein und nicht in der breiten Masse unterzugehen, werde ein ein Alleinstellungsmerkmal benötigt.

Welche Infrastruktur kann die Gemeinde überhaupt noch aufrecht erhalten?  Die CDU betont, dass es im Kernort noch alles gibt, was zum täglichen Leben benötigt wird. Für die Bewohner der Ortsteile sei der Bürgerbus eine wichtige Einrichtung. Nachholbedarf sieht die CDU noch beim Straßen- und Wegenetz mit Wasser- und Abwasserinfrastruktur. Hier sei in den vergangenen Jahrzehnten nicht genügend investiert worden. Dringender Nachholbedarf bestehe auch beim schnellen Internet als wichtigem Kriterium für Unternehmen und Familien.

Nach Ansicht der SPD ist die Sanierung von Straßen und Kanal bereits stark vorangetrieben worden. Dabei sei man mit Straßenbeiträgen unter 50 Prozent und ohne Kanalbeiträge ausgekommen. Für die Zukunft hat sich die SPD den Erhalt der Einrichtungen für das soziale Zusammenleben ausgesprochen. Dazu zählen Schwimmbad, Sportanlagen, Bücherei, dörfliche Infrastruktur und die Unterstützung der Vereine.

Wie können die Einwohner besser vor Lärm und Gefahren der Autobahn geschützt werden? 

Hier hoffen beide Parteien, dass der nach langem Vorlauf begonnene Umbau des Kirchheimer Dreiecks eine Verbesserung bringt. Nach Ansicht der SPD muss insbesondere auf sichere Erreichbarkeit von Grundschule und Kindertagesstätte geachtet werden. Bis zum Abschluss der Arbeiten fordern die Sozialdemokraten weiterhin eine regelmäßige Geschwindigkeitsüberwachung. Die CDU dringt auf Nachbesserungen, weil der Lärmschutz bereits an der Schwimmbadstraße ende. Die Bewohner von Hattenberg und Sonnenblick würden kaum oder gar nicht entlastet. Außerdem müsse auch Zusatzbelastungen wie Stromtrassen und Windrädern entgegengetreten werden.

Hintergrund: Der Vorsitzende hört auf

SPD, CDU und ein fraktionsloser Abgeordneter bildeten nach dessen Austritt aus der SPD das Kirchheimer Gemeindeparlament. Beide Volksparteien haben wieder eine Liste aufgestellt. Auf Platz eins der CDU steht der Kirchheimer Architekt Stefan Nieding, an der Spitze der SPD steht der Technische Angestellte Thomas Schneemilch, der auch Gemeindebrandinspektor in der Autobahngemeinde ist. Zeitgleich mit Gemeindeparlament und Ortsbeiräten wird auch der Bürgermeister gewählt. Manfred Koch (SPD) bewirbt sich um eine weitere Amtszeit. Er tritt ohne Gegenkandidaten an. Unabhängig davon, wie die Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl aussehen: Das Kirchheimer Gemeindeparlament wird in Zukunft nicht mehr unter dem bewährten Vorsitz von Reiner Weppler aus Willingshain tagen, der nach 25 Jahren in diesem Amt seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen angekündigt hat. Weppler kandidiert nur noch als Nachrücker auf Platz 32 der SPD-Liste und steht deshalb nicht mehr auf dem Stimmzettel. (jce)

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