Wahlprüfsteine: Haushaltsausgleich und Tourismus sind in Oberaula zentrale Themen

Verwaltungssitz der Gemeinde: Zeitgleich mit der Kommunalwahl bewirbt sich Bürgermeister Klaus Wagner als einziger Kandidat für eine zweite Amtszeit auf dem Chefsessel im historischen Oberaulaer Rathaus. Foto: Konopka

Oberaula. Die Rollen im Oberaulaer Gemeindeparlament sind bisher klar verteilt. Mit 15 Sitzen hat die CDU eine deutliche Mehrheit und ist für Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) eine verlässliche Stütze.

Dass die neun Gemeindevertreter der SPD ihre Rolle als Opposition ernst nehmen, zeigt sich an Anfragen und Anträgen. Dennoch ist die Atmosphäre der Sitzungen äußerst sachlich. Und Unstrittiges wird einstimmig beschlossen.

Der aktuelle Haushalt hat ein Defizit von 213 000 Euro. Wie soll der Ausgleich gelingen? 

Da das Land den Ausgleich zwingend vorschreibt, sei dieses Ziel kurzfristig nur durch Einsparungen, Leistungskürzungen und Steuererhöhungen, also mehr Belastungen der Bürger, erreichbar, sagt die SPD. Langfristig müssten durch Aktivierung des Tourismus und der Wirtschaft die Einnahmen verbessert werden.

Die CDU verweist auf das Haushaltssicherungskonzept, welches den Ausgleich bis 2017 vorsieht. Durch die Investitionsprogramme des Landes und Bundes könne die Gemeinde Instandsetzungsmaßnahmen an Straßen und Wegen und energetische Sanierung und Ausstattung der Kindergärten bereits ins Jahr 2016 vorziehen, was den Haushalt nachhaltig entlaste.

Wie kann die Gemeinde den Folgen des demografischen Wandels begegnen? 

Hier setzen beide Fraktionen auf Erhalt und Ausbau der Infrastruktur wie Freizeiteinrichtungen, Einzelhandel, medizinischer Versorgung, Sozialzentrum, Bildungsangebot, Vermarktung der leer stehenden Häuser, oder Tourismus- und Wohnortwerbung. Die CDU nennt zudem schnelles Internet und stabile Mobilfunknetze, die SPD will die zentrale Lage in Deutschland und das positive Image der Gemeinde noch stärker nutzen.

Welche Schwerpunkte soll Oberaula im Tourismus setzen?

Die touristische Zukunft des Luftkurorts sehen beide Fraktionen im Verbund Rotkäppchenland und wollen dieses Konzept weiterentwickeln. Nach Ansicht der SPD muss das Rotkäppchen für die Besucher erlebbarer werden, etwa durch einen Rotkäppchenpark mit Märchenfiguren. Der Bahnradweg solle zum Märchenradweg, auf dem Geschichten und Geschichte sichtbar sind, weiterentwickelt werden. Zudem plädieren die Sozialdemokraten dafür, Teile des Ferienparks Hausen und private Urlaubsinitiativen in den Ortsteilen für den Tourismus zu erhalten und auszubauen. Ein ortsnaher Baumlehrpfad könne in einen Märchenwanderweg eingebunden werden.

Die CDU setzt darauf, dass das neue Konzept des Rotkäppchenlandes in die Grimm-Heimat Nordhessen eingebunden wird. Zudem wollen die Christdemokraten den Bahnradweg gemeinsam noch stärker vermarkten. Mit der Sanierung des Waldschwimmbades und der Ausweisung zumindest eines Premiumwanderweges sollen zudem die Angebote von Gastronomie und Vereinen und privaten Investoren gestärkt und unterstützt werden.

Soll die interkommunale Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden weiter ausgebaut werden? 

„Ja“, sagt die CDU. Im Zuge der bestehenden Kooperation mit Neukirchen und Ottrau im südlichen Knüll sei ein gemeinsames Bauverwaltungsamt im Entstehen. Touristisch will die CDU das Engagement im Rotkäppchenland intensivieren. Aber auch über die Kreisgrenzen hinweg prüfe man derzeit mit der Gemeinde Kirchheim, ob eine gemeinsame Behandlung des Abwassers in der Kläranlage der Autobahngemeinde wirtschaftlicher ist, als ein Neubau der Kläranlage Wahlshausen.

Für die SPD ist für eine mögliche Zusammenarbeit die effektivere Aufgabenerfüllung oberste Maxime. Das sei bei größeren Einheiten nicht automatisch der Fall. Interkommunale Zusammenarbeit müsse zudem die Identifizierung der Bürger mit ihrer Gemeinde bewahren. Die örtliche Gemeinschaft müsse gestärkt und der Service vor Ort erhalten werden, betont die SPD.

Hintergrund: CDU und SPD treten wieder an

Zwei Parteien bestimmten bisher die Oberaulaer Gemeindepolitik, zwei werden es wohl auch in Zukunft sein. CDU und SPD haben wieder eine Liste aufgestellt, neue Wählergruppen treten nicht an. Ínsbesondere auf den Spitzenplätzen finden sich altgediente Kommunalpolitiker: Der derzeitige Vorsitzende der Gemeindevertretung, der Sozialversicherungsangestellte Dieter Groß aus dem Kernort, führt die Liste der Christdemokraten an. Auf dem Spitzenplatz der SPD steht Marianne Hühn aus Wahlshausen, im Hauptberuf Leiterin der Kommunalaufsicht beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Zeitgleich mit der Kommunalwahl entscheiden die Bewohner des Luftkurorts auch über ihren Rathauschef. Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) bewirbt sich ohne Gegenkandidiaten um eine zweite Amtszeit.

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