Aushilfs-Schwimmmeister wirft der Gemeinde Kirchheim Sicherheitsmängel vor

Streit ums Schwimmbad

Schwimmmeister Stephan Funke erhebt schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde Kirchheim: Arbeitsschutz und Sicherheitsvorschriften seien nicht eingehalten worden. Foto: Eisenberg

Kirchheim. Gibt es im Kirchheimer Freibad Mängel bei Sicherheit und Arbeitsschutz – oder geht es in Wahrheit nur um persönliche Befindlichkeiten?

Bäderfachkraft Stephan Funke jedenfalls erhebt Vorwürfe gegen die Autobahngemeinde. Mit seiner Firma Schwimmbadpersonal Funke springt der Schwimmmeistergehilfe aus Moers quasi als Einmannbetrieb deutschlandweit ein, wenn in Bädern kurzfristig das Personal fehlt. Seit 20. Juli arbeitet er als Krankheitsvertretung für die Gemeinde Kirchheim. Als kurz nach seinem Dienstantritt ein weiterer fest angestellter Kollege krank geworden sei, habe er ganztägig Dienst schieben müssen – teilweise ohne Pause von 7 bis 21 Uhr, wodurch er auf eine 70-Stunden-Woche gekommen sei.

Auch das Stammpersonal sei angehalten worden, die maximale Wochenarbeitszeit von 60 Stunden zu überschreiten. Funke hat deshalb beim Dezernat Arbeitsschutz des Regierungspräsidiums Kassel Beschwerde eingelegt und Dienstpläne und Stundenzettel eingereicht, welche die Verstöße belegen sollen. Die Vorwürfe würden derzeit geprüft, teilte das Regierungspräsidium auf Anfrage mit.

Rutsche und Reinigung

Auch die Wasserrutsche entspricht laut Funke nicht den geltenden Sicherheitsvorschriften und müsste entweder mit einer Ampel ausgestattet sein oder ein Rettungsschwimmer den reibungslosen Ablauf regeln. Eine eigene Aufsicht sei auch für den Strömungskanal nötig. Auch die Reinigung der Sanitäranlagen sei zumindest nicht dokumentiert worden. Zu diesen und weiteren in Funkes Augen fragwürdigen mündlichen Anweisungen habe er schriftliche Stellungnahmen vom Betriebsleiter verlangt – „um Schadensersatzansprüche gegen mich zu vermeiden“.

Eskaliert ist die Situation offenbar nach einem Badeunfall am 3. August. Danach habe Funke der Gemeinde massive Verstöße vorgeworfen, eine zusätzliche Beckenaufsicht gefordert und angeboten, seine Frau Monika einzustellen, die als selbstständige Rettungschwimmerin tätig ist – zu deutlich höheren Kosten, als die ebenfalls im Kirchheimer Bad eingesetzten Rettungsschwimmer der DLRG, sagt Bürgermeister Manfred Koch.

Dass sein Vorgehen wohl nicht besonders glücklich war, räumt mittlerweile auch Stephan Funke ein. Dadurch sei der Eindruck entstanden, er verfolge persönliche Interessen. Ihm sei es aber lediglich um die Sicherheit der Kirchheimer Badegäste gegangen, beteuert er.

Mittlerweile scheint das Tischtuch zwischen den Konfliktparteien zerschnitten. Die Gemeinde setzt Funke nicht mehr alleine im Bad ein. Der spricht von Mobbing und hat eine Anwältin eingeschaltet.

Koch: Zweifel an Kompetenz

Weil ein Mitarbeiter krankheitsbedingt längerfristig ausgefallen sei, habe die Gemeinde diesem Jahr Mühe gehabt, den Betrieb im Schwimmbad aufrecht zu erhalten, berichten Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch und der Betriebsleiter der Gemeindewerke, Helmut Diebel. Mit Rettungsschwimmern der DLRG sei es gelungen, die Beckenaufsicht zu gewährleisten.

Nicht mehr alleine

Um die Personalsituation zu entspannen, habe man schließlich den freiberuflichen Schwimmmeistergehilfen aus Moers beauftragt. Aufgrund der vielen in den Augen der Gemeinde unberechtigten Vorwürfe seien bald Zweifel an Funkes Fähigkeiten entstanden. Geforderte Unterweisungen und eine Referenzenliste habe er bisher nicht vorgelegt. Deshalb werde Funke auch nicht mehr alleine zum Dienst eingeteilt und nur noch zur Beckenaufsicht eingesetzt, für die er die notwendigen Kenntnisse nachgewiesen habe, erklären Bürgermeister und Betriebsleiter. Nach der Erkrankung eines weiteren Kollegen habe Funke tatsächlich mehr als 60 Stunden pro Woche beziehungsweise zehn Stunden pro Tag gearbeitet und die Ruhezeiten unterschritten. Gegen die gesetzlichen Arbeitszeitregelungen verstoße das aber nicht – schließlich sei Funke in Kirchheim nicht als Arbeitnehmer, sondern als selbständiger Unternehmer tätig. Auch bei den angestellten Schwimmmeistern sei es zu Arbeitszeitüberschreitungen gekommen, räumen Koch und Diebel ein. Allerdings auch, weil abweichend vom Dienstplan, Vor- und Nacharbeiten getätigt worden seien. Die Gemeinde habe Versicherer, Hersteller der Rutsche und das Amt für Arbeitsschutz kontaktiert und diesem die erforderlichen Unterlagen übergeben. Einen Teil der Vorwürfe weise man bereits jetzt zurück: Der Rutsche etwa habe der TÜV seinen Segen gegeben. Weil die Anlage von den Aufsichten einsehbar sei, reiche eine Abstandsmarkierung und ein entsprechender Benutzungshinweis aus. Der Strömungskanal werde seit jeher nur mit einer Aufsichtsperson in Betrieb genommen – und nie zeitgleich mit der Rutsche. Für die Sanitäranlagen gebe es zwar kein öffentlich aushängendes Reinigungsprotokoll, wohl aber einen Reinigungs- und Desinfektionsplan. Mit seinen Vorwürfen versuche Stephan Funke offenbar, vorzeitig aus dem Vertrag mit der Gemeinde herauszukommen, sagt Bürgermeister Manfred Koch. Der laufe noch bis zum 30. August und sehe eine Kündigung nur in außerordentlichen Fällen vor. (jce)

Kommentare