Bürgerversammlung zur Flüchtlingsunterkunft in Kirchheim verlief sachlich

Solidarität und Zweifel

Großes Interesse: Im Anbau des Kirchheimer Bürgerhauses haben Vertreter des Regierungspräsidiums Gießen am Mittwochabend über die Unterbringung von Flüchtlingen im Kirchheimer Motel informiert. Fotos: Eisenberg

Kirchheim. Am Ende der Bürgerversammlung wandte sich Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch noch einmal an die Vertreter des Regierungspräsidiums Gießen: Sie sollten zumindest einer Bitte der Gemeinde nachkommen und in der Flüchtlingsunterkunft im Motelcenter einen ständigen Ansprechpartner einsetzen. An den könnte sich die Gemeinde nach Kochs Ansicht bei möglichen Problemen wenden, aber auch, um die ehrenamtlichen Hilfsangebote zu koordinieren.

In den vorangegangenen zwei Stunden hatten etwa 100 Zuhörer im Kirchheimer Bürgerhausanbau überwiegend sachlich und unaufgeregt mit der Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Gießen (RP), Gabriele Fischer, dem zuständigen Abteilungsleiter Manfred Becker und der Leiterin der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, Elke Weppler, diskutiert. Anfang vergangener Woche hatte das Regierungspräsidium 100 Flüchtlinge im Kirchheimer Motel untergebracht (unsere Zeitung berichtete).

Die Gießener Erstaufnahmeeinrichtung stehe angesichts steigender Flüchtlingszahlen unter großem Druck, verdeutlichte die Leiterin Elke Weppler. Da zusätzlich durch einen Brand in einem Gießener Flüchtlingsheim 700 Plätze weggefallen seien, habe Handlungsbedarf bestanden. Dabei sei das Kirchheimer Motel ausdrücklich nur als Übergangslösung gedacht. „Die externe Unterbringung ist immer teurer als Plätze in unseren eigenen Einrichtungen“, betonte die Leiterin.

Dass die Gemeinde über die Pläne wohl zu kurzfristig informiert worden sei, räumte Manfred Becker ein. Allerdings habe sich durch die sofortige Verfügbarkeit der Plätze die Möglichkeit ergeben, Flüchtlingen schnell ein Dach über den Kopf zu geben. Bei vielen im Saal vorgetragenen Bedenken verwiesen die RP-Vertreter auf die Gesetzeslage oder die gängige Praxis.

Kurze Verweildauer

So sei eine durchgängige Sozialbetreuung der Menschen in den Außenstellen nicht üblich, weil die Menschen in der Regel zu kurz dortblieben, bevor sie den Landkreisen zugewisen würden. Wegen der kurzen Verweildauer und weil alle Flüchtlinge vor Ankunft ärztlich untersucht würden, seien die regionalen Strukturen ausreichend.

Vage hielten die RP-Vertreter ihre Antwort zum möglichen Höchstzahl von 300 Plätzen für Migranten. Man plane nicht, diese voll auszuschöpfen, sofern die Einrichtung durch weiter hohe Flüchtlingszahlen dazu gezwungen sei. Noch eine weitere Unterkunft solle es in Kirchheim aber auf keinen Fall geben.

In ihren Redebeiträgen äußerten die Zuhörer Bedenken zu Unterbringung und Zusammenleben der Flüchtlinge, aber auch Sorgen wie „an wen wende ich mich, wenn ich mich bedroht fühle?“ und Bedenken, dass das Asylrecht von einem Teil der Einwanderer missbraucht werden könne.

Mehrere Kirchheimer brachten ihre Solidarität mit den duch Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen zum Ausdruck.

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