SPD-Politiker kandidiert für vierte Amtszeit

Manfred Koch im Interview: Die Dörfer sollen lebenswert bleiben

Hat seine vierte Amtszeit fest im Blick: Manfred Koch tritt bei der Bürgermeisterwahl in Kirchheim ohne Gegenkandidaten an. Foto: Eisenberg

Kirchheim. Manfred Koch (SPD) bewirbt sich am Sonntag um eine vierte Amtszeit als Bürgermeister in Kirchheim – und tritt dabei erstmals ohne Gegenkandidaten an. Wir sprachen mit dem 54-Jährigen über die zurückliegenden sechs Jahre und die Zukunft der Autobahngemeinde.

Hessenweit klagen Bürgermeister über fehlende Gestaltungsmöglichkeiten und Kirchheim steht unter dem Schutzschirm – warum wollen Sie sich noch eine Amtszeit antun?

Manfred Koch: Wir haben den Haushalt ja wieder auf den richtigen Weg gebracht. Dennoch sind die Kommunen für die Aufgaben, die ihnen vom Land übertragen wurden, nicht genügend ausgestattet und müssen sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen. Kirchheim bietet aber durch seine besondere Lage auch Perspektiven.

Wenn Sie die letzte Amtszeit mit den beiden vorhergehenden vergleichen – welche war die schwierigste? 

Koch: Die letzte. Vom Land sind mehr Aufgaben bei den Kommunen angekommen, die finanzielle Unterstützung aber nicht, da reichte auch keine sparsame Haushaltsführung. Deshalb waren die Erhöhungen in vielen Bereichen notwendig, wobei wir versucht haben, eine gewisse Ausgewogenheit hinzubekommen. Ich denke, das ist ganz gut gelungen.

Ist die Durststrecke jetzt überwunden, oder müssen sich die Einwohner auf weitere Einschnitte oder Erhöhungen einstellen?

Koch: Ich sehe perspektivisch keine Erhöhungen oder Einschnitte. Natürlich weiß man nie, wie sich Situation entwickelt. Wir arbeiten derzeit an der interkommunalen Zusammenarbeit mit Oberaula beim Abwasser, was für beide Gemeinden ein Gewinn wäre. In vielen anderen Bereichen sind wir mittlerweile wieder gut aufgestellt.

Die Übernachtungszahlen sind dramatisch eingebrochen. Erweisen sich Bettensteuer und die Abwicklung des Touristik-Service als Fehler?

Koch: Ich denke, die Bettensteuer hat keinen Einfluss auf Übernachtungszahlen. Wir hatten wegen der vielen Durchreisenden schon immer eine sehr kurze Verweildauer. Da macht sich bemerkbar, dass das Motel mit rund 330 Betten und das Hotel am Hattenberg mit über 100 Betten weggefallen sind. Ich glaube nicht, dass die Zahlen weiter sinken. Der Seepark fasst langsam wieder Fuß. In der Tourismus-Werbung sind wir mit dem Rotkäppchenland gut aufgestellt. Auch das Tagungsgeschäft gehen die Betriebe jetzt verstärkt an.

Waren 90 Euro Pferdesteuer pro Tier und Jahr die Aufregung wert?

Koch: Das war ein Beschluss des Parlamentes, der Bürgermeister muss ihn ausführen. Mit unserem ursprünglichen Abbaupfad war man in Wiesbaden nicht einverstanden. Das hat erst zur Idee mit der Pferdesteuer geführt. Die Erträge haben den Haushalt sicher nicht gerettet. Es ging auch mehr um eine Gleichbehandlung von Pferde- und Hundebesitzern. Wenn die Gemeinde aus den Zwängen des Schutzschirms entlassen ist, kann man über eine Abschaffung der Bagatellsteuern nachdenken.

Die Gemeinde leistet sich in Goßmannsrode ein neues Dorfgemeinschaftshaus. Ist das noch zeitgemäß?

Koch: In der Schutzschirm-Diskussion wurde immer der Eindruck erweckt, dass die kommunalen Haushalte alleine durch den Verkauf der Dorfgemeinschaftshäuser gerettet werden könnten. Davor hat man mit Entwicklungsprogrammen dafür gesorgt, das jeder Ort eins bekommt. Man muss das Leben in den Dörfern doch lebenswert halten. Dazu gehören Treffpunkte für Bevölkerung, die Vereine oder den Ortsbeirat. Es geht nicht mehr um große Säle für Hochzeitsfeiern. Für diese Lebensqualität wollen wir auch das Freizeit- und Erlebnisbad erhalten.

Die Opposition wirft Ihnen vor, dass die wesentlichen Bereiche bei den Gemeindewerken angesiedelt sind und unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt werden. Haben Sie etwas zu verbergen?

Koch: (lacht) Auch größere Städte haben nicht nur Eigenbetriebe, sondern sogar Stadtwerke in allen möglichen anderen Geschäftsformen. Eigenbetriebe sind vorsteuerberechtigt und die Betriebsabläufe wurden verbessert. Wir haben nichts zu verbergen. Alle Straßen, die wir gebaut haben, wurden beispielsweise vorher mit den Anliegern besprochen. Wir haben nicht nur informiert, sondern die Anlieger durften mitbestimmen.

Was würde es für Sie bedeuten, wenn die SPD die Mehrheit im Parlament verlieren sollte?

Koch: Ich bin als jemand bekannt, der mit Menschen gut kann. Natürlich müssen auch alle wollen. Ich mache aber keinen Hehl daraus, dass ich froh wäre, wieder eine eigene Mehrheit hinter mir zu haben.

In Ihrem früheren Berufsleben waren Sie Briefträger. Über welche Post im Rathaus-Briefkasten würden Sie sich besonders freuen?

Koch: Ach du liebe Zeit! (überlegt) Über die Genehmigung des Regierungspräsidiums, endlich die Einzelhändler ansiedeln zu dürfen, die sich hier gerne ansiedeln wollen.

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