Heute und morgen noch einmal Sprechstunde beim Puppen-Mediziner Dr. med. Pup.

Letzte OP am Seepark

Puppen-Patientin: Heute und morgen praktiziert der Puppendoktor Günter Geier noch einmal im Hotel Seeblick in Kirchheim. Er hat 15 000 Ersatzteile im Gepäck. Es ist die letzte Visite in Kirchheim, denn der Puppen-Doc geht in den Ruhestand. Foto: Löwenberger

Kirchheim. Er transplantiert Arme und Beine, sogar ganze Köpfe. Er heilt Sprach- und Sehstörungen und lässt auf Glatzköpfen binnen Sekunden die schönsten Frisuren wachsen. Dabei braucht er nicht einmal eine Narkose. Die gibt es aber trotzdem, damit die jungen „Muttis“ sehen, dass die Patienten keine Schmerzen leiden. Und ehe die unblutigen Operationen beginnen, untersucht Günter Geier seine Patienten genauestens und hört sie erst noch mit dem Stethoskop ab.

Heute und morgen hält der Puppendoktor aus Bamberg im CPH Hotel Seeblick in Kirchheim in der Zeit von 9 bis 18 Uhr seine letzten Sprechstunden ab. Danach ist Schluss. Der 75-Jährige geht in den schon lange geplanten Ruhestand. 55 Jahre lang reiste Geier als Puppendoktor durch Deutschland und Österreich, hielt Sprechstunden in renommierten First-Class-Hotels ab, oder reiste mit seinem von einem großen Lebensmittelkonzern gesponserten einmaligen Puppendoktor-Truck von Stadt zu Stadt.

Jetzt ist der Doktor selber nicht mehr fit und muss die Praxis schließen. Besonders bedauert Geier, dass sich trotz jahrelanger intensiver Suche bis heute kein Nachfolger gefunden hat. „Eine junge Frau mit etwas handwerklichem Geschick wäre ideal“, hofft der Puppendoktor noch immer. Die könnte dann nach einem sechsmonatigen Praktikum nicht nur das riesige Ersatzteillager sondern auch einen großen Kundenstamm übernehmen.

Kirchheim hat Geier als letzte Station gewählt, weil er vor einigen Jahren schon mal sehr erfolgreich hier tätig war. „Damals ist es hier sehr gut gegangen“, erzählt er. „Die Leute kamen von weit her, manchmal sogar zweimal, wenn sie die ‘Patienten’ nach schwieriger Heilung am nächsten Tag wieder abholen mussten.“

Überhaupt weiß der Puppendoktor viel zu berichten. Etwa von einem Bären aus dem 2. Weltkrieg, der Leben gerettet hat. Weil das Kind ihn irgendwo liegen gelassen hatte, verpasste die Familie ihr Schiff, und das ging später unter. Oder von einem Mann, der eine Liebespuppe geheilt haben wollte. Hier empfahl der Doktor allerdings eine Selbstreparatur mit Flickzeug aus dem Fahrradladen. Oder von einer älteren Dame, die die Puppe von Kaiser Wilhelm mit brachte, ohne zu wissen, was sie da hatte.

Über 15 000 Ersatzteile hat Geier am Seepark mit dabei darunter rund 10 000 Augen und 400 Perücken. Die meisten Puppen kann er vor Ort heilen und anmelden muss man sich nicht.

Übrigens: Eine Lieblingspuppe hat der Dr. med. Pup. auch: Seine Ehefrau Ute.

Von Bernd Löwenberger

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