Hund harrte in der Wohnung aus

Leiche blieb tagelang unentdeckt: Feuerwehr barg Mann mit Drehleiter

+
„Die Burg“: Aus einem Fenster wurde die Leiche geborgen. Foto: Quehl

Oberaula. Ein Drama in einem Mehrfamilienhaus in Oberaula hat keinen strafrechtlichen Hintergrund. Dort war ein Toter von Einsatzkräften der Feuerwehr mittels einer Drehleiter durch ein Fenster geborgen worden. Da war der Mann war bereits tagelang tot.

Kripo-Sprecher Reinhard Giesa (Homberg) sagte auf Anfrage, dass der Tod des Mannes nach etwa einer Woche aufgefallen war. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft Marburg berichtete Giesa lediglich, dass eine gerichtsmedizinische Untersuchung angeordnet wurde. Diese habe ergeben, dass kein Fremdverschulden vorlag, eine natürliche Todesursache wurde festgestellt.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Marburg unterstrich, dass es bei der Obduktion nicht um den Zustand des Leichnams des Mannes ging, sondern einzig um die Todesursache. Ein Ermittlungsverfahren sei nicht eingeleitet worden.

Den Feuerwehreinsatz bestätigte  Michael Becker, Gemeindebrandinspektor Oberaula. Er sei an jenem 6. Juni nicht selbst vor Ort gewesen, es sei aber sicher, dass sich der Hund des Mannes beim Auffinden der Leiche in der Wohnung befand.

Die Wohnung ist in einem dreistöckigen ehemaligen Eisenbahnerhaus mit mehr als zehn Wohnungen, abgeschieden am Ortsrand an der alten Bahnstrecke. „Die Burg“ wird der mächtige Bau von den Menschen im Ort genannt.

Eine Bewohnerin, die uns die Tür öffnete, möchte zum einsamen Tod ihres Nachbarn lieber nichts äußern, „ach, das ist doch schon so lange her“, meinte sie im Hausflur, der sehr geräumig wirkt.

Mindestens zehn Jahre wohnte der Mitte 40-Jährige bereits dort, alleinstehend, nur sein kleiner weißer Mischlingshund lebte bei ihm, erzählt eine Frau aus der weiteren Nachbarschaft. Eher selten traf sie ihn, das letzte Mal vor einigen Wochen. „Da wirkte er sehr krank, stark aufgedunsen“. Kontakt oder einen Schwatz habe er nie gewollt. „Schlimm“, sagt sie, „und das arme Tier war die ganze Zeit ohne Wasser und Futter.“ Ganz Oberaula habe tagelang über die Tragödie gesprochen. Auch ein Mädchen, das mit einer Freundin vorbei kommt, hat von den erschütternden Todesumständen gehört. Der Hund sei in ein Tierheim gebracht worden.

Kommentare