Marius Hübler hat in Südeuropa in Modellprojekten gearbeitet und neue Horizonte entdeckt

Lebensformen als Reiseziel

Eine Reise mit Nachhall: Marius Hübler aus Oberaula und seine Freundin Anastasia Zeller waren von Portugal bis nach Griechenland unterwegs. Das Foto zeigt sie in Andalusien bei einer Wandertour im Naturpark Sierra de Grazalema, im Hintergrund der Stausee von Zahara. Foto: privat

Oberaula. Diese Reise wird Andreas Hübler (25) aus Oberaula nie vergessen, obwohl er schon sehr viel weitere unternommen hat. Der Volkswirtschaftler und Master-Student der Nachhaltigkeitsforschung an der Uni Kiel ist zusammen mit seiner Freundin Anastasia Zeller (28) drei Monate durch Südeuropa gereist, um neuartige Lebens- und Umweltprojekte kennenzulernen.

Von Portugal über Spanien nach Italien und schließlich nach Griechenland führte der Weg die beiden in ihrem Urlaubssemester.

Kein pures Relaxen

Um pures Relaxen oder die Besichtigung von Kulturstätten ging es ihnen nicht. Vielmehr starteten beide mit der lebensphilosophischen Frage im Gepäck, ob mehr Genügsamkeit und stärkere regionale Wirtschaftsstrukturen zukunftsweisender sind als der immer intensivere Konsum von Gütern und Dienstleistungen. Was sie entdeckten reichte dann vom hochmodernen Ökodorf in den Bergen Zentralportugals über das ausgestiegene Unternehmerpärchen in der Zahara de la Sierra in Spanien bis hin zu einem Verein in Griechenland, der ein Modell für eine ganzheitliche Gemeinschaft innerhalb der bestehenden Gesellschaft aufbauen möchte.

Immer, so Hübler, sei die Grundidee die eines „entschleunigten Lebens, das sich stärker auf die Grundbedürfnisse des Menschen besinnt“. Hübler: „Mal kamen wir als Besucher in die Projekte und wurden gegen einen kleinen Obolus mit Unterkunft und Verpflegung versorgt, mal kamen wir als Freiwillige und haben das im Tausch gegen unsere Mitarbeit bekommen.“ Das Reisen per Flugzeug haben die beiden konsequent ausgespart, „wir haben alle Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder auch per Anhalter zurückgelegt“. Das Reiseerlebnis sei dadurch viel intensiver geworden, „durch diese entschleunigte Art zu reisen sieht man nicht nur viele schöne Orte und Landschaften, sondern erlebt, wie sich langsam das Klima und damit die Flora verändern“.

Am Schluss der zwölf Wochen blieb Anastasia Zeller und Marius Hübler nicht weniger als die „Einsicht, dass man auch mit einfachsten Mitteln überleben und ein glückliches Leben führen kann“. Dabei ist Marius Hübler durchaus klar, dass in absehbarer Zeit nicht die ganze Menschheit ihr Leben auf Selbstversorgung auf dem Land umstellen wird. „Es werden auch Ansätze für die Stadt benötigt“, sagt er. Dennoch habe er von seiner Reise wertvolle Ansätze mitgenommen. Der Oberaulaer konzentriert sich jetzt auf sein Masterstudium, will sich nebenbei in Projekten wie einem Gemeinschaftsgarten engagieren.

Von Anne Quehl und Jan-Christoph Eisenberg

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