Wochenendporträt: Immanuel Lind kommt auf Umwegen zum Ausbildungsplatz

Dankbar für zweite Chance

Besuch auf dem Bauhof der Firma Bickhardt: (von links) Matthias Rudolph von Bickhardt Bau, Sozialdezernentin Elke Künholz, Azubi Immanuel Lind, Ausbildungsleiter Hartmut Kath, Fachbereichsleiter Rene Bieber und Fallmanagerin Doris Schmidt. Foto: nh

Kirchheim. Der 16 Jahre alte Immanuel Lind aus Bad Hersfeld hat eine Ausbildungsstelle bei der Firma Bickhardt Bau in Kirchheim gefunden. Nichts besonderes, werden viele jetzt denken. Doch im Fall von Immanuel Lind sieht das ein wenig anders aus.

Der Jugendliche stammt aus dem Kulturkreis der Sinti. Und in unserer Gesellschaft haben es Sinti und Roma aus den verschiedensten Gründen schwer. Oft wird ihnen mit Vorurteilen begegnet.

„Gerade die Kinder und Jugendlichen aus diesem Kulturkreis müssen frühzeitig gefördert und in das deutsche Bildungssystem integriert werden“, weiß Sozialdezernentin Elke Künholz zu berichten, die im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zuständig für Arbeit und Soziales ist.

Integration gelungen

Nicht immer gelingt diese Integration. Doch bei Immanuel Lind hat sie funktioniert. Auch wenn der junge Mann bis zum erfolgreichen Lehrvertrag einen langen und steinigen Weg absolvieren musste. Nach der Schule wollte er eigentlich eine Ausbildung im Baubereich absolvieren. Doch ein vielversprechendes Vorstellungsgespräch sagte er im letzten Moment ab. Chance vertan? Keineswegs.

Seit April 2014 wird Immanuel von der Fallmanagerin Doris Schmidt des Kommunalen Jobcenters des Landkreises Hersfeld-Rotenburg betreut. Er besuchte den Hauptschulzweig „Schule und Beruf“ der Gesamtschule Obersberg, verließ sie 2015 mit einem qualifizierten Hauptschulabschluss. Und jetzt hat er doch seinen Ausbildungsplatz gefunden. Die Kirchheimer Firma Bickhardt Bau – Komplettanbieter für den Verkehrswegebau mit 1600 Mitarbeitern – hatte ihn im März zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, das er zunächst aber absagte. Er konnte sich nicht vorstellen, wie er von Bad Hersfeld aus den Arbeitsort in Kirchheim erreichen sollte.

Beim nächsten Termin mit seiner Fallmanagerin bereute Immanuel diese Entscheidung. Nun zahlte sich das Engagement des kommunalen Jobcenters aus: Fallmanagerin Doris Schmidt vereinbarte einen neuen Termin für Immanuel bei Bickhardt Bau. Und dieses Gespräch war von Erfolg gekrönt. Der 16-Jährige erhielt einen Ausbildungsplatz als Hochbaufacharbeiter und Stahlbetonbauer. Die Firma organisierte ihm sogar eine Mitfahrgelegenheit von Bad Hersfeld nach Kirchheim.

Gute Zusammenarbeit

„Ich bin dankbar für diese zweite Chance“, sagt Immanuel Lind. Und freut sich über das Engagement seiner Fallmanagerin, ohne die er den Job wohl nicht bekommen hätte.

„Durch die gute Zusammenarbeit zwischen dem kommunalen Jobcenter und Bickhardt Bau wurde einem jungen und motivierten Menschen, unabhängig von seinem kulturellen Hintergrund, eine Ausbildungsstelle beschafft“, freut sich auch Elke Künholz. (red/rey)

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