Ein Aufruf zum Handeln

Mal heiter, mal ernst: Kabarettist Bernd Gieseking begeisterte in Oberaula

Gern gesehener Gast: Auch im Namen des Veranstalters, der Kulturinitiative Kunst und Dunst Schwalm-Knüll bedankte sich Hausherrin Elke Lepper bei Bernd Gieseking für den gelungen Abend. Foto: Löwenberger

Oberaula. Das hat er noch nie gemacht: Einen Witz erzählt auf der Bühne in seinem Jahresrückblick „Ab dafür“. Am Sonntagabend tut er es, erzählt von einem Planeten, dem es schlecht geht, weil er „Homo sapiens“ hat. „Hatte ich auch“ antwortet ein anderer Planet, „die gehen von alleine wieder weg“.

Mit einem einfachen „Moin allerseits“ hat Bernd Gieseking kurz zuvor die mehr als einhundert Besucher im großen Saal des Hotels zum Stern in Oberaula in gewohntem Outfit – Jeans, schwarzes T-Shirt, dunkelgraues Sakko – begrüßt. „Es wird nicht immer lustig werden“, warnt er sein Publikum gleich, und in der Tat: Themen wie die aktuellen Flüchtlingsströme oder die Anschläge in Paris lassen keinen Raum für lockere Sprüche oder platte Pointen, dienen stattdessen mehr als Aufrufe zum Handeln oder mindestens zum tieferen Nachdenken. Den absichtlich herbeigeführten Absturz des Passagierflugzeuges in den Alpen nutzt Gieseking indes immerhin für eine gelungene Persiflage zum Thema Presse und Berichterstattung.

Mit dem mehrfachen Wechsel zwischen ernsten Themen und dem ihm eigenen wortgewandt-spritzigen und tiefgründig-irrwitzigem Rückblick auf das Jahr 2015, verlangt er sich und dem Publikum einiges ab. Man muss schon gut zuhören, um die mal mehr, mal weniger versteckten Tiefschläge gegen Sport, Politik und Wirtschaft nicht zu verpassen. Von der „blendenden“ Lichtgestalt Beckenbauer über den nie zurücktretenden Blatter, die Deckhengst-reitende von der Leyen bis zum unsäglichen Söder kriegen einige mehr als die hier Genannten ihr Fett weg. Der Besuch von Queen Elizabeth – mit mehrfach wiederholtem zweifachen „tee-aitsch“ – ist ebenso Thema wie das Jubiläum der Wiedervereinigung: „Warum musste es ausgerechnet die DDR sein?“ Und dank guter Kontakte zu Joachim Sauer bekommen die Besucher intimste Einblicke in die Tagebücher der Kanzlerin. Wenn er an spielfreien Abenden zu Hause bei einer Flasche Wein, „es muss nicht unbedingt die erste sein“, auf der Couch liegt, verrät Bernd ganz privat, dann klingelt schon mal das Telefon. und dann sind Promis wie – nein, verraten wir hier nicht – dran: Immerhin erfahren die Zuhörer dabei so viel, dass der Willy ganz schön alt geworden ist, der Gerhard gerne mal ein Bier mehr trinkt, der Helmut das Rauchen immer noch nicht aufgegeben hat und ein berühmtes Pferd sprechen kann.

Schlussapplaus

Zwei Mal eine Stunde lang hat Bernd Gieseking in seiner 22. Auflage von „Ab dafür“ das aktuelle Jahr Revue passieren lassen – mal nachdenklich ernst, mal witzig locker, mal abstrus unlogisch-logisch. Den Besuchern hat’s gefallen, das zeigt der Schlussapplaus. Und wer es am Sonntagabend in Oberaula verpasst hat, der findet die aktuellen Tourdaten unter:

http://bernd-gieseking.de

Von Bernd Löwenberger

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