Im Sportgasthof werden alle 14 Tage neue Flüchtlinge aufgenommen

Flüchtlingsunterkunft in Ransbach: „Wir fangen Spitzen ab“

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Betreuer: Manuela Feist, Adham Shannan und Tina Poppe kümmern sich in Ransbach um die Flüchtlinge.

Ransbach. Der Sportgasthof ist seit Dezember wieder voll belegt. Jedoch haben sich dort nicht wie früher üblich Sportvereine einquartiert, um ihr Trainingslager zu absolvieren. Vielmehr wird der Gasthof vom Landkreis Hersfeld-Rotenburg als zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge genutzt.

In den 24 Zimmern können bei Bedarf bis zu 60 Menschen untergebracht werden. Aktuell – im dritten Durchgang – sind es 37 Frauen, Männer und Kinder aus Syrien, Afghanistan, Iran und Irak. Innerhalb von nicht einmal zwei Stunden werden die Neuankömmlinge aufgenommen und registriert. „Die Menschen bleiben etwa zwei Wochen in Ransbach und werden dann von uns in angemieteten Wohnungen im Kreisgebiet untergebracht“, erklärt Frank Hildebrand, Leiter des Fachdiensts Migration beim Landkreis.

Nicht immer läuft bei der Registrierung und der Antragsstellung alles reibungslos ab. So auch diesmal. Ein Syrer, der mit seinen zwei großen Töchtern unterwegs ist, fühlt sich in Ransbach völlig deplatziert. Seine Frau lebt nämlich bereits seit einem halben Jahr in Düsseldorf als anerkannter Flüchtling. Diesen Status haben ihr Mann und die beiden Mädchen noch nicht.

„Sie müssen jetzt einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen. Das läuft dann über die beiden zuständigen Regierungspräsidien“, führt Hildebrand weiter aus. Verständnis hat er dafür aber nicht. „Das ist völliger Quatsch. Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge herrscht das totale Chaos. Wahrscheinlich war in Düsseldorf alles voll und die drei wurden dann umverteilt“, mutmaßt der Mann vom Fachdienst Migration. Auf seine Mitarbeiter vor Ort ist er stolz, da bisher alles reibungslos funktioniere. „Wir haben mit dem Sportgasthof ein Pilotprojekt gestartet, um Spitzen abzufangen. Das funktioniert. Wir werden daher schon bald eine weitere zentrale Aufnahmestelle im Aulatal einrichten.“

Denn auch in den kommenden Wochen und Monaten werden weiter Flüchtlinge in den Landkreis kommen. Ende vergangenen Jahres verfügte der Landkreis über 99 Wohnungen, in denen Asylsuchende untergebracht waren. Mittlerweile sind es laut Hildebrand 109 Wohnungen. Bisher wurden dem Landkreis pro Woche 40 Personen zugewiesen, die noch keinen Asylantrag gestellt haben. Ab Januar wird diese Zahl voraussichtlich auf 60 ansteigen.

Für die Menschen im Ransbacher Sportgasthof wird viel getan. Eine Hausdame, ein Hausmeister und zwei Reinigungskräfte stehen neben den vier Betreuern bereit, um den Flüchtlingen den vorübergehenden Aufenthalt zu erleichtern. Täglich ist von 8 bis 21 Uhr ein Ansprechpartner im Haus.

Die Zimmer verfügen alle über eigene sanitäre Anlagen, Balkon und einen Fernseher. Zur Erstausstattung gehören Hygiene-Sets und bei Bedarf eine Baby-Grundausstattung. Die großen Waschmaschinen im Keller sind im Dauerbetrieb und für drei Mahlzeiten pro Tag sorgt ein Caterer aus Baunatal, der das Essen warm anliefert. „Der kümmert sich um alles, was mit Versorgung zu tun hat. Auch für die Brot- und Brötchenbestellung beim ortsansässigen Bäcker ist der Caterer verantwortlich“, erklärt Hildebrand. Und für den Notfall gibt es einen Kühlraum, damit Lebensmittel nicht verderben.

Der Betriebsablauf in der zentralen Flüchtlingsaufnahmestelle erinnert dann doch wieder an den Tagesablauf, wie er früher im ehemaligen Sportgasthof war.

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