Wahlprüfsteine: In der Gemeinde Hohenroda wird bei allen Entscheidungen ganz genau aufs Geld geachtet

Zukunft offen: Das Schloss Hohenroda, der bisherige Sitz der Gemeindeverwaltung, steht zum Verkauf. Diskutiert wird politisch darüber, ob nach einer etwaigen Veräußerung die Gemeinde als Mieterin in dem Komplex bleibt oder ob für die Verwaltung eine neue Bleibe gesucht werden muss. Foto: nh

Hohenroda. Die Schutzschirmkommune Hohenroda ist nicht auf Rosen gebettet. Noch mehr als in den Nachbarkommunen muss dort auf jeden Cent geachtet werden. Und das machen die politisch Verantwortlichen um Bürgermeister Andre Stenda mit sehr viel Augenmerk.

Was soll aus dem Schloss werden und wo sieht ihre Partei den künftigen Verwaltungssitz? 

Solange kein Nachnutzungskonzept von potenziellen Käufern vorliegt und auch kein Folgekonzept für die Gemeindeverwaltung erarbeitet wurde, ist für die SPD der Verkauf des Schlosses kein Thema. Für die SPD wäre die weitere Nutzung des Schlosses als Verwaltungssitz gemeinsam mit einem Mieter oder Käufer oder sogar über eine interkommunale Zusammenarbeit denkbar.

Das sieht die FDP ganz anders, da die Fläche im Schloss für die Verwaltung viel zu groß sei. Außerdem könne die Gemeinde die Instandsetzungskosten und die Renovierungskosten in keinster Weise bewältigen. Eine andere Nutzung für das Schloss soll gefunden werden und der Verwaltungssitz auf jeden Fall an einem anderen Ort in Oberbreitzbach verbleiben.

Die Freien Wähler halten das Gebäude mit 910 Quadratmetern für die Verwaltung ebenfalls überdimensioniert. Zudem hat sich die Gemeindevertretung ja – auch mit den Stimmen der FWH – für einen Verkauf der Immobilie ausgesprochen. Wohin es die Verwaltung verschlägt, ist auch vom Nutzungskonzept eines potenziellen Käufers abhängig. Der künftige Sitz der Verwaltung muss auf jeden Fall finanziell tragbar sein.

Die CDU spricht bereits von drei Kaufinteressenten für das Schloss. Auch für die Christdemokraten ist ein Nutzungskonzept die erste Voraussetzung. Vielleicht ergibt sich dann die Möglichkeit, sich in dem Trakt einzumieten.

Wie stehen Sie zur Initiative Weiße Rhön, die sich für ein elektrosmogfreies Hohenroda einsetzt? 

Die CDU hält sich in dieser Frage strikt an einen Beschluss der Gemeindevertretung, wonach die Initiative konkrete Planungen und Konzepte zur Realisierung ihrer Vorhaben vorlegen soll. Bis heute habe sich in dieser Hinsicht nichts getan. Von daher ist den Interessen der bereits hier lebenden Menschen größere Beachtung zu schenken.

Die FWH unterstützt den Ansatz der Weißen Zone, die gesundheitlichen Belastungen der Bürger so gering wie möglich zu halten. In diesem Zusammenhang muss es aber auch möglich sein, dass die Einwohner nicht vom technischen Fortschritt abgehängt werden. Denn es gelte, Hohenroda weiter attraktiv für Familien und Gewerbetreibende zu entwickeln.

Die wirtschaftliche Entwicklung spielt auch für die FDP die entscheidende Rolle. Und die sei nur mit einem funktionierenden Kommunikationssystem zu haben. Außerdem lasse der von der Initiative Weiße Rhön geforderte Entwicklungsplan weiter auf sich warten.

Ebenso wie die Freien Wähler begrüßen auch die Sozialdemokraten die Grundidee der Initiative. Allerdings ist auch die flächendeckende Versorgung der Bürger mit Mobilfunk wichtig. Die SPD erwartet daher von der „Weißen Rhön“ konkrete Vorschläge und fordert gleichzeitig einen schnellen Ausbau der DSL-Versorgung in allen Ortsteilen.

Welche Infrastrukturmaßnahmen sind mit Blick auf einen ausgeglichenen Haushalt in den kommenden Jahren noch möglich?

Die Schutzschirmauflagen und ein engagierter Bürgermeister hätten aus Sicht der FDP die finanzielle Situation Hohenrodas wieder in geordnete Bahnen gebracht. In diesem Jahr werden 900 000 Euro investiert – in Straßenbau, schnelles Internet und die Gebäudeerhaltung.

Für die FWH ist es auch die neue, durchdachte Finanzpolitik, die es Hohenroda wieder ermöglicht, auch künftig in die Infrastruktur zu investieren. Damit wird der Investitionsstau sukzessive abgebaut.

Auf die Euphoriebremse tritt die CDU, für die ein ausgeglichener Haushalt noch kein Startsignal für weitere Ausgaben oder Projekte darstellt. Man darf trotz der positiven Entwicklung in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht verkennen, dass Hohenroda als weit und breit einzige Kommune mit einem gewaltigen Fehlbetrag in die Eröffnungsbilanz 2009 gegangen ist. Kurzfristig sind daher die Jahrsabschlüsse zu priorisieren, um zu wissen, was an Investitionen künftig möglich ist.

Die SPD setzt in den kommenden Jahren auf den Straßenbau, in Verbindung mit Kanal- und Wasserausbau, die Fortführung der Sanierung des Kindergartens, die Instandhaltung der öffentlichen Gebäude, damit kein Investitionsstau entsteht. Außerdem will die SPD die Förderung der Jugend- und Seniorenarbeit weiter ausbauen.

Welche Auswirkungen auf das Feuerwehrwesen in Hohenroda könnte der Zusammenschluss der Wehren Glaam und Oberbreitzbach haben? 

Durch den Zusammenschluss der beiden Einsatzabteilungen wird aus Sicht der FWH das ohnehin funktionierende Feuerwehrewesen nachhaltig gestärkt.

Auch die SPD glaubt, dass mit dieser Maßnahme der richtige Weg eingeschlagen wurde. Da die Zusammenlegung finanziell gefördert wird, kann das Geld gleich in die Modernisierung der gemeinsamen Wehr gesteckt werden. Erfreulich für die SPD ist auch, dass der Feuerwehrverein Glaam fortgeführt werden soll.

Mit Blick auf den demografischen Wandel spricht die FDP von einem vorgegebenen Zwang, die beiden Wehren zusammenführen zu müssen. Dadurch wird aus Sicht der Freien Demokraten die Einsatzbereitschaft gestärkt und weiterhin gewährleistet. Im Moment sind in der Gemeinde aus Sicht der FDP aber keine weiteren Zusammenschlüsse geplant.

Kurz- oder mittelfristig hat dieser Zusammenschluss der beiden Wehren aus Sicht der CDU keinerlei Auswirkungen. Ob es künftig auch Zusammenschlüsse zwischen anderen Wehren geben wird, hängt aus Sicht der Christdemokraten von der künftigen Zahl der Einsatzkräfte in den einzelnen Ortsteilwehren ab.

Hintergrund: Vier Listen im kleinen Hohenroda

In der Schutzschirmkommune Hohenroda herrscht zur Kommunalwahl wieder Parteien- und Kandidatenvielfalt. Wie bereits zur Kommunalwahl im Jahre 2011 stellen sich in der kleinen Gemeinde auch diesmal wieder vier Gruppierungen den Wählerinnen und Wählern. Die CDU, die SPD, die FDP und die Freien Wähler Hohenroda (FWH) haben eigene Listen aufgestellt. Bei der Besetzung ihrer Spitzenplätze vertrauen alle vier Gruppierungen auf altbekannte Gesichter. Auffallend ist, dass die Listen von CDU und FWH meist mit Personen aus Mansbach besetzt sind. Relativ durchmischt ist die Liste der FDP, während das Gros der sozialdemokratischen Liste aus Ransbach und Ausbach stammt. (rey)

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