Fränkisches Theater gastierte mit „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf in Eiterfeld

Unterwegs in die Walachei

Die Hauptrollen des Maik und Tschick verlangten den Schauspielern viel Kraft ab. Sie mussten auf der kargen Bühne viel improvisieren. Foto: Desoi

Eiterfeld. Vor der Sommerpause präsentierte sich das Fränkische Theater kürzlich im Bürgerhaus Eiterfeld mit „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Das Publikum bestand überwiegend aus Schülern. Das junge Theaterstück kam gut an und die Schauspieler erhielten viel Applaus.

Der Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf (1965-2013) wurde über eine Million mal in Deutschland verkauft, in vierundzwanzig Sprachen übersetzt, mit drei Literaturpreisen ausgezeichnet und als Theaterstück eines der meistgespielten Stücke an deutschen Bühnen.

Ohne Karte und Kompass

Zwei 14-jährige Jungs brechen aus ihrer Welt aus und starten eine Reise ohne Karte und Kompass in einem geklauten Lada.

Maik Klingenberg sollte eigentlich die Ferien alleine am Pool der häuslichen Villa verbringen. Die Mutter ist auf ihrer alljährlichen Beautyfarm. Maik weiß aber, dass dies nur eine Umschreibung für die Entzugsklinik ist. Der Vater ist auf Geschäftsreise – in Begleitung seiner Geliebten. Andrej Tschichatschow, genannt Tschick, kommt aus einer russischen Familie und wohnt in einem Hochhaus in Hellersdorf.

Vertraut und fremd

So starten die Beiden ihren Trip in dem geklauten Wagen. Ziel ist die von Tschick so rosig beschriebene Walachei. Aber es wird schnell eine Reise einfach drauflos. Das Stück ist die Geschichte einer sommerlichen Deutschlandreise durch ein vertrautes, fremdes Land. Durch Orte mitten im Nirgendwo, bizarre Kraterlandschaften und fehlplatzierte Gebirgszüge, bevölkert von seltsamen, aber häufig entwaffnend freundlichen Menschen.

Auf einer Müllkippe begegnen sie Isa. Isa begleitet sie ein Stück auf ihrer Reise – eine Reise, getränkt mit dem Gefühl von Freiheit und Abenteuer und gleichzeitig voller Wehmut, weil sie nicht ewig dauern kann. Und so kommt es, dass die beiden zum Schluss immer schneller fahren und das Ganze in einem Crash endet.

Die Schauspieler Tschick (Philip Pelzer), Maik (Nilz Bessel) und Isa (Johanna Maria Seitz) machten ihre Arbeit unter der Regie von Thomas Klischke sehr gut und schafften es, das junge Publikum mitzureißen. Die Szenen auf der kargen Bühne (Sean Keller) verlangten den Dreien viel Kraft ab – auch beim Improvisieren,. Einen Lada kann man ja schließlich nicht ohne weiteres auf die Bühne schaffen.

Ältere Besucher fühlten sich an die Abenteuer von Huckleberry Finn und Tom Sawyer erinnert. Aber die vielen bekannten Kraftwörter rüttelten schnell den heutigen Zeitgeist wach.

Von Christa Desoi

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