„Schwer zu vermitteln“

Eiterfelds Bürgermeister Hermann-Josef Scheich über Windkraft und Flüchtlinge

Kann so manche Entscheidung in Sachen Windkraft nicht nachvollziehen: Eiterfelds Bürgermeister Hermann-Josef Scheich, der seit 16 Jahren im Amt ist. Foto: Mehler

Eiterfeld. Seit 16 Jahren ist er im Amt, und Spaß hat er immer noch: Im Interview spricht Bürgermeister Hermann-Josef Scheich (56 Jahre alt, SPD-Mitglied, aber parteiunabhängig) über aktuelle Herausforderungen – und verrät, worüber er sich am meisten aufregen kann.

Die Einwohnerzahl in Eiterfeld ist in den vergangenen fünf Jahren um sechs bis sieben Prozent gesunken. Sorgt Sie das? 

Hermann-Josef Scheich: Die umgekehrte Richtung wäre mir lieber. Es ist aber nicht dramatisch. Wir haben in den Ortsteilen zwar Rückgänge, in der Kerngemeinde sind die Zahlen weitgehend stabil.

Die Rückgänge kommen zudem nicht nur durch Abgänge zustande, sondern durch einige Aus- und Übersiedler, die hier noch gemeldet waren. Das hat sich durch den Zensus relativiert.

Inwieweit trifft der demografische Wandel eine Gemeinde wie Eiterfeld? 

Scheich: Wir werden älter und weniger, darauf muss man sich einstellen. Wir merken das zum Beispiel in den Schulen und Kindergärten. Die größte Herausforderung sehe ich in klassischen Flächengemeinden aber darin, die Infrastruktur weiterhin aufrechtzuerhalten. Denn weniger Bürger verbrauchen weniger Energie und Wasser; die Fixkosten aber stehen. Deshalb müssen wir Kosten reduzieren und Energie sparen.

Sie üben diesen Job jetzt seit 16 Jahren aus. Hat man da immer noch Feuer? 

Scheich: Dieser Job ist so vielfältig und spannend: Kein Tag ist wie der andere, kein Jahr wie das andere. Und auch wenn ich eher der gelassene und besonnene Typ bin, gibt es immer noch Themen, bei denen ich mich aufregen kann. Aktuell ist das bei der Windkraft so. Da ärgere ich mich, weil ich die Vorgehensweise oft als ungerecht empfinde.

Fühlen Sie sich als Gemeinde beim Thema Windkraft hilflos?

Scheich: Ja. Es gibt Dinge, die irritieren sehr. Wir wurden aufgefordert, Einwände und Vorschläge auf den Tisch zu legen, damit alles berücksichtigt und abgewogen werden kann. Dann wurde abgewogen, und das Ergebnis ist: Fünf Anlagen werden genehmigt. Die Mopsfledermaus galt zum Beispiel mal als K.o.-Kriterium. Die gibt es auch bei uns, und deshalb sollen die Anlagen jetzt in den Zeiten abgeschaltet werden, wenn das Tier fliegt – zum Beispiel ab einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang. Aufgestellt werden die Windkrafträder also trotzdem. Rein rechtlich ist das sicherlich vertretbar, aber wie soll ich das den Bürgern vermitteln? Das fiele leichter, wenn man die Argumente nachvollziehen kann.

Gibt es noch Möglichkeiten, dagegen vorzugehen, oder ist das Thema durch?

Scheich: Es besteht eine Klagemöglichkeit. Vonseiten der Gemeinde wollen wir diese aber nicht wahrnehmen. Im günstigsten Fall würde die Abschaltzeit verlängert; die Anlagen blieben aber trotzdem stehen.

Die SynEnergie, die weitere zehn Anlagen beantragt hat, ist ein regionaler Versorger. Sehen Sie Möglichkeiten der Einflussnahme?

Scheich: Ich hoffe es, Gespräche haben stattgefunden. Enttäuschend ist jedoch, dass die Syn-Energie zwei Windkraftanlagen beantragt hat, die sich noch nicht einmal in einem der Suchräume des Regionalplans befinden.

Aber selbst wenn nicht die SynEnergie die Anlagen betreibt, kommt vielleicht jemand anders. Der Grundstückseigentümer wird sicher nicht auf das Geld verzichten, wenn keine rechtlichen Argumente dagegenstehen.

Eiterfeld gilt als Perle des Kegelspiels. Werden die Windräder die Landschaft verändern?

Scheich: Aber sicher. Im Nordwesten wird die gesamte Front vom Stoppelsberg, Giesenhain über Dittlofrod und Buchenau bis über das Eitratal mit Windkraftanlagen bestückt. 15 Anlagen sind einfach zu viel. Das Landschaftsbild, auch wenn die Anlagen am Rande des Kegelspiels gebaut werden sollen, wird verändert.

Welchen Beitrag kann und will Eiterfeld in der Flüchtlingsfrage leisten?

Scheich: Ziel im Landkreis ist es, Flüchtlinge in den Kommunen einigermaßen gleichmäßig zu verteilen. Eiterfeld hat noch keine. Das liegt aber nicht daran, dass wir nicht wollen. Wir haben bisher keine Gemeinschaftsunterkünfte, und wir möchten auch keine eigenen Liegenschaften wie Dorfgemeinschaftshäuser oder Turnhallen in Anspruch nehmen.

Wir haben nun allerdings sieben Wohnungen und zwei Häuser an den Landkreis gemeldet. Aktuell bin ich guter Dinge, dass wir es außerdem schaffen, mit einem Investor eine größere Unterkunft zu bauen.

2018 sind die nächsten Bürgermeisterwahlen. Treten Sie wieder an?

Scheich: (lacht) Es ist noch ein bisschen zu früh, das zu entscheiden. Bei diesem Thema bespreche ich mich stets mit meinen Vertrauenspersonen, das werde ich sicher auch diesmal so machen. Und dann werde ich Sie informieren. Ich kann aber definitiv sagen: Der Job macht auch nach 16 Jahren immer noch Spaß.

Von Sabrina Mehler

Kommentare