Menschen vor Gericht: Bewährungsstrafe für 21-Jährigen aus Eiterfeld

Prügel mit Notenständer

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Eiterfeld. Zwölf Monate Haft wegen einfacher und schwerer Körperverletzung – ausgesetzt für drei Jahre auf Bewährung – dazu hat das Schöffengericht am Amtsgericht Fulda einen 21-jährigen Eiterfelder verurteilt.

Es befand ihn schuldig, drei Männer mit den Fäusten sowie einem Notenständer geschlagen zu haben. Die Schlägerei hatte sich zu später Stunde vor einer Eiterfelder Pizzeria entwickelt. Dort hatten vier junge Männer zwischen damals 24 und 27 Jahren nach einer Kneipentour den Abend ausklingen lassen wollen. Nachdem einer aus dem Quartett einen anderen Gast geohrfeigt hatte, tauchte der Angeklagte – ein Neffe des Geschlagenen – mit drei weiteren Männern dort auf und es kam zu den Handgreiflichkeiten.

Am zweiten Verhandlungstag befragte das Gericht zwei Zeugen, die der ersten Ladung nicht gefolgt waren, darunter den Wirt der Pizzeria. Großes Interesse galt auch dem Notenständer, der, bevor er zur Tatwaffe wurde, vor dem Lokal gestanden hatte, um den Gästen die Speisekarte zu präsentieren. Ob das metallene Deko-Stück vom Angeklagten aus Notwehr ergriffen oder bewusst zur Hand genommen wurde, darum ging es in den Plädoyers.

Für Verteidiger Hans J. Hauschild war klar: Sein Mandant habe aus Notwehr gehandelt. „Als Mitglieder der Gruppe auf ihn zukamen, hat er am Boden gelegen, den Notenständer ergriffen und damit um sich geschlagen.“ Die Aussagen der Zeugen in ihrer Widersprüchlichkeit sagten letztlich nur, „das wir in der Sache nichts wissen“. Zudem, so Hauschild, müsse der Fall nach Jugendstrafrecht behandelt werden.

Ganz anders beurteilte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft den Sachverhalt. Zwar gebe es Widersprüche in den Aussagen der Zeugen. Doch keiner der vier Freunde habe behauptet, alle Einzelheiten der Tat gesehen zu haben. Übereinstimmend sagten alle, den Angeklagten als einzigen Täter gesehen zu haben.

Zudem hätten die Verletzungen der Zeugen genau zu den Aussagen gepasst. Die Frage nach Notwehr stelle sich angesichts der Art der Verletzungen nicht: „Sagen Sie mir bitte mal, wie Sie jemandem aus Notwehr mit einem Notenständer in den Rücken schlagen“, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Sie plädierte mit Blick auf die Fausthiebe auf einfache und wegen der Schläge mit dem Notenständer zweimal auf schwere Körperverletzung und forderte nach Erwachsenenstrafrecht eine Gesamtstrafe von zwölf Monaten sowie eine Geldbuße. Das Ganze solle für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt und mit einem Anti-Aggressionstraining verbunden werden.

Die Schöffen und Richter Christoph Mangelsdorf folgten weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Das sei auch wegen der einschlägigen Vorstrafen des 21-Jährigen sinnvoll. Statt der Geldbuße soll der derzeit arbeitslose Angeklagte Arbeitsauflagen erfüllen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (zi)

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