Wirre Wahrheitssuche in einem Hohenrodaer Ortsteil

Wieder Knochen gefunden: Parry K. gräbt in Mansbach weiter nach „Mordopfern“ ihres toten Vaters

Mansbach. Parry K. hat am Mittwoch wieder damit begonnen, auf der großen Wiese neben dem Blauen Schloss in Mansbach nach Leichenteilen zu graben. Am Donnerstag hat sie wieder Knochen gefunden.

Über ihr eigenes Martyrium spricht Parry K. heute ganz offen. Ihr Vater habe sie missbraucht. Mehr noch: Andere Menschen seien durch seine Hände ums Leben gekommen. Und diese Leichen will sie nun mit Hilfe von Freunden finden.

Obwohl bei ihrer ersten derartigen Aktion am 5. März nur Tierknochen zum Vorschein kamen – so hat es ein Rechtsmediziner festgestellt –, ist die 54-Jährige weiterhin davon überzeugt, dass dort Leichen vergraben sein müssen. Vom Blauen Schloss aus, in dem sie nach eigenen Angaben mit ihrem Vater gelebt hat, will sie durch ein Fenster beobachtet haben, wie dieser vor mehr als 40 Jahren die Leichen vergraben hat. 

Am Donnerstag ist sie an drei Stellen wieder fündig geworden. Viele kleine Knochstücke hat sie nebeneinander auf Papier ausgelegt. Für sie handelt es sich eindeutig um Menschenknochen. Jetzt will sie alles noch einmal aufrollen und die Fundstücke an die Polizei – der sie eigentlich nicht mehr vertraut – übergeben, damit „ihre“ Wahrheit ans Licht kommt.

Die Staatsanwaltschaft in Fulda musste sich 2014 und 2015 bereits mit Strafanzeigen gegen den Vater auseinandersetzen. Damals hatte Parry K. ihrem in 2001 bereits verstorbenen Vater sexuellen Missbrauch vorgeworfen. Auch den Mord an zwei Frauen, die er als Tramperinnen mitgenommen und getötet haben soll, wurden von ihr zur Anzeige gebracht. Die Taten sollen sich in den frühen siebziger Jahren zugetragen haben.

„Diesen Verdachtsfällen ist die Polizei nachgegangen. Es hatte aber zu dieser Zeit keine Vermisstenfälle gegeben. Somit verlief das alles negativ“, erklärt Harry Wilke, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft in Fulda.

Parry K. will die mysteriöse Geschichte um sich und ihren Vater aufklären und aufarbeiten. „Bis zu meinem 21. Lebensjahr hatte ich das alles verdrängt. Danach habe ich mein Leben zusammen mit Therapeuten aufgearbeitet.“ Nach und nach seien die Bilder wiedergekommen. Auch die, die nun zu der Suche nach den menschlichen Gebeinen in Mansbach geführt haben. Aufhören will sie erst, wenn sich die Geschichte so wendet, wie sie von ihr dargestellt wird: „Das ist meine letzte Chance. Ich möchte meinen Frieden finden. Für mich und all die anderen. Als Kind hatte ich dazu keine Chance. Und heute schauen alle weg. Es ist schlimm, wenn einem nicht geglaubt wird“, sagt Parry K. Und ihr Lebensgefährte David nickt zustimmend.

Die Löcher schließen und mit dieser Suche aufhören, so wie es die Polizei ihr geraten habe, wolle sie auf keinen Fall. Denn Teil zwei ihrer Lebensgeschichte will sie unbedingt in einem weiteren Buch aufarbeiten. Das soll nicht mehr lange auf sich warten lassen und an ihre im ersten Werk aus 2014 dargestellten Kindheits- und Jugenderlebnisse anknüpfen. Darin will sie die merkwürdige Wende bei der Aufklärung der Verbrechen des Vaters thematisieren. Wie diese Wende ausschaut und um welche Knochen es sich aktuell handelt, ist offen. Der von Parry K. des mehrfachen Mordes beschuldigte Vater jedenfalls kann seit 15 Jahren keine Antworten mehr geben. Er hatte sich 2001 das Leben genommen.

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