Unterwegs bei der ADAC-Opel-Classic-Ausfahrt im Traumauto aus dem Jahr 1969

Kapitän auf großer Fahrt

Heiße Haube: Bei einer Pause in Eisenach entstand dieses Foto von Bernd Löwenberger und seiner Frau Cornelia. An der siedend heißen Motorhaube haben sich die beiden Rallye-Fahrer dabei allerdings fast verbrannt. Foto: Ludger Konopka

Hohenroda. Es geht schon mit dem Aufschließen los. Der Schlüssel will „richtigrum“ ins Schloss gesteckt werden. Erkennen kann man das kaum, aber wenn er nicht schließt, muss man ihn halt mal um 180 Grad drehen. Zentralverriegelung, was ist das?

Einsteigen. Da war ein Sitz, ich bin mir sicher. Tiefer, noch tiefer – endlich: Ich plumpse in einen Fauteuil wie in Omas Wohnzimmer, weich, gemütlich, bequem. Sitzverstellung? Na klar: vor und zurück und die Lehne, mehr oder weniger steil.

Vor mir ein Lenkrad, so groß wie in einem Omnibus und trotz nachträglich angebrachter kultiger Kunstlederummantelung so dick, oder besser dünn, wie ein kleiner Finger. Rechts davon ein großer dicker Hebel, die Schaltung, Lenkradschaltung. Vier vorwärts, ein Rückwärtsgang, über einen besonderen Knopf gegen Fehlbedienung gesichert. Fühlt sich schwammig und ungenau an, funktioniert aber – wie sich später herausstellt – fast problemlos.

Links ein Minihebelchen: Blinker: Links, rechts, Auf- und Abblenden. Alle anderen Funktionen wie Licht, Scheibenwischer, Lüftung, Heizung befinden sich im weit entfernten Armaturenbrett. Um all diese Schalter bedienen zu können, muss man sich nach vorne beugen, sonst kommt man nicht dran. Nur mal so zwischendurch: Wir sprechen hier nicht von irgendeinem Billigauto.

Wir sprechen hier von einem Opel Kapitän B, Baujahr 1969, sechs Zylinder, 2,8 Liter, 132 PS. Ende der 1960er vielleicht nicht unbedingt Luxus- mindestens aber gehobene Oberklasse auf dem deutschen Automarkt – für die meisten von uns damals ein unerschwingliches Traumauto.

Der Blick nach draußen gleitet über eine nicht enden wollende Motorhaube. Einen rechten Außenspiegel gibt es nicht, der linke ist mickrig kein. Dafür ist der Fußraum riesig, man kann sich zum Rückwärtsfahren umdrehen und die Rundumsicht ist phänomenal.

Und dann endlich: Schlüssel ins Zündschloss, umdrehen. Der Sechszylinder startet sofort, schnurrt sanft wie ein Kätzchen. Erster Gang und dann mit einer 90 Grad Kurve links rum raus aus der Parklücke. Ach du Schei… Obwohl ich gerade mal rolle komme ich kaum mit dem Lenken nach. Bis ich den Kapitän in der richtigen Richtung habe, habe ich auch noch einen großen Schlenker über die Gegenfahrbahn gemacht. Na das kann ja heiter werden.

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Von Bernd Löwenberger

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