Wie die Herren von Buchenau ihr Ansehen und eines ihrer Schlösser verloren

Von gnadenlosen Rittern

Das Schloss Buchenau, auch Schenckschloss genannt, hat eine hohe verzierte Fassade und einen großen Innenhof. Fotos: Göbel

Buchenau. Die reich geschmückten, hohen Giebel des imposanten Schenckschlosses erinnern an die Weserrenaissance zur Zeit des 30-jährigen Kriegs. Die vielen Familienwappen, die über den Türen eingelassen sind, zeigen eine wechselvolle Familiengeschichte.

Buchenau wird erstmals im Jahr 948 in einer Urkunde als „Buochon“ erwähnt. Mehrere Jahrhunderte später, im Jahr 1217, erscheint der Name „Buchenau“ als Sitz des gleichnamigen Adelsgeschlechts. Dieses nutzte die Lage an der Grenze zwischen den Klosterbezirken Fulda und Hersfeld aus und konnte sich je nach Situation der einen oder anderen Seite anschließen. Die Familie war ständig in Aufstände verwickelt – und nahm den Nachbarn viel Geld ab. Der Wohlstand der Familie wuchs, nicht aber ihr Ansehen.

Das Adelsgeschlecht hatte zunächst die Alte Burg (das heutige Seckendorffschloss mit dem benachbarten Spiegelschloss) als Hauptsitz ihrer Herrschaft bezogen. Zur Zeit der Reformation erreichte das Geschlecht von Buchenau den Höhepunkt seiner Macht.

Oberhalb der mittelalterlichen Burg errichtete Georg von Buchenau mit seiner Frau Susanne von Mansbach 1552 das „Generalshaus“. Als sich die Familie weiter vergrößerte, baute Georg Melchior von Buchenau mit seiner Frau Agnes von Schwalbach von 1611 bis 1618 ein weiteres Schloss, das in Buchenau unter dem Namen „Schenckschloss“ bekannt ist.

Es wurde in zwei zweigeschossige Langbauten, die in einem rechten Winkel zueinander stehen, errichtet, um eine möglichst hohe und stattliche Fassade zu erhalten. Die Langbauten sind im Weserrenaissance-Stil gebaut und durch einen Treppenturm im Innenhof miteinander verbunden. Das hohe Satteldach und die lange Fassade sowie das reizvolle Brunnengehäuse im Innenhof lassen das Schloss imposant aussehen. Doch nicht immer hat das Schenckschloss seine volle Blüte zeigen können.

Nach dem 30-jährigen Krieg änderten sich die Machtverhältnisse. Die Bedeutung und der Reichtum der Familie von Buchenau nahmen ab. Der Landgraf wurde mächtiger und alle anderen schwächer. So kam es, dass Herbold Reinhard von Buchenau im Jahr 1691 dem Abt Placidus zu Fulda das Schloss verkaufte. Dieser tauschte 1692 mit dem Gouverneur von Oberhessen, Wolf Christoph Schenck zu Schweinsberg, das Schenckschloss gegen das Schloss Burghaun.

Wolf Christoph war mit Anna Juliana von Boyneburg verheiratet, doch ihre Ehe blieb kinderlos. Das Generalhaus, das im 30-jährigen Krieg völlig zerstört wurde, wurde 1713 mit wenigen finanziellen Mitteln wieder aufgebaut. Die Neffen und Nichten der beiden traten das Erbe an.

Spielsüchtig und pleite

Nach vielen Generationswechseln ging das Schenckschloss 1887 an den damals 16-jährigen Hans Schenck zu Schweinsberg. 1910 plante er die Heirat mit einer wohlhabenden Frau, weil Schenck selbst spielsüchtig und pleite war. Seiner 20 Jahre jüngeren Frau konnte er aber nichts bieten. Das veranlasste ihn, seinen Schwiegervater um Geld zu bitten. Dieser war vor dem Ersten Weltkrieg mit seiner Fabrik zu großem Reichtum gelangt. Schenck konnte jedoch nicht genug bekommen und bedrängte den Schwiegervater in einem Briefwechsel auf üble und dreiste Weise.

Schließlich konnte im gleichen Jahr durch die Finanzierung des Schwiegervaters ein zweiter Treppenturm, der sogenannte Hochzeitsturm, anlässlich der Heirat von Hans und seiner Frau Else errichtet werden. Doch schon zwei Jahre später starb Hans Schenck.

Von Alisa Kim Göbel

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