23-Jähriger überfiel auch Tankstelle in Bad Hersfeld

Freiheitsstrafe für Eiterfelder Räuber

Eiterfeld/Bad Hersfeld. Ein 23-Jähriger aus Eiterfeld, der den Rewe-Getränkemarkt in Eiterfeld, die Aral-Tankstelle in Bad Hersfeld und das „Kaffee Bohne“ in Rasdorf überfallen hat, ist im Landgericht Fulda zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt worden.

Das Gericht wertete sein Geständnis und die Reue, die er zeigte, zu seinen Gunsten.

Schwer wogen hingegen die Folgen seiner Taten: Bereits am ersten Verhandlungstag hatten drei Zeuginnen von der Angst berichtet, die sie empfanden, als der vermummte Räuber eine täuschend echt wirkende Pistole auf sie richtete. Eine Mitarbeiterin des Getränkemarktes schilderte den Ablauf des Überfalls: „Ich war wie zur Salzsäule erstarrt.“ Danach habe sie unter anderem unter Schlafstörungen gelitten. Auch bei ihr entschuldigte sich der Angeklagte in schlichten, aber wohl ehrlich gemeinten Worten. Als Zeuge war auch ein Polizeibeamter aus Bad Hersfeld geladen. Er erläuterte, wie es zur Festnahme des Täters kam: Eine Videokamera nahe der Tankstelle in Bad Hersfeld hatte den 23-Jährigen aufgenommen; die Bilder wurden in den Medien veröffentlichen. Allein bei der Polizeistation in Hünfeld seien daraufhin mehrere Hinweise eingegangen. Bei der Festnahme habe er schließlich nicht nur den Überfall auf die Tankstelle, sondern auch die anderen Taten gestanden. Das „rückhaltlose Geständnis“ war unter anderem der Grund, warum es „nur“ zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten kommt. Der Angeklagte habe Reue und Einsicht gezeigt und ehrlich auf Fragen geantwortet, sagte Richter Josef Richter in der Urteilsbegründung und fügte sogar ein „Hut ab“ hinzu. Berücksichtigt wurden auch die „familiären Belastungen“ in seinem Leben, seine gesundheitliche Angeschlagenheit sowie psychische Störungen.

In seinem Plädoyer hatte Verteidiger Hans J. Hauschild herausgestellt, dass sein Mandant „ein freundlicher, zugewandter, intelligenter Mensch“ sei, aber „in komplett desolater seelischer Verfassung“. Ihm sei es bei den Überfällen nicht in erster Linie um das Geld gegangen. Auch die Staatsanwältin sprach von einem „Motivationskomplex“: Die Aussicht auf Geld, eine herabgesetzte Hemmschwelle und der „Adrenalinschub“ habe zu den Taten geführt. Während die Staatsanwaltschaft eine Strafe von drei Jahren und neun Monaten gefordert hatte, hielt die Verteidigung zwei Jahre und neun Monate für ausreichend. Der Angeklagte selbst sagte: „Ich bin nicht hoffnungslos, wenn es mit einer Therapie und einer Ausbildung in der Haft klappt.“ (sam)

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