Die ganze Welt im Keller: Peter Schaaf aus Buchenau ist begeisterter Amateurfunker

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Faszinierendes Hobby: Im Keller seines Hauses, auf dem hohe Antennen thronen, hat Peter Schaaf sich sein eigenes Amateurfunk-Reich mit vielen verschiedenen Geräten geschaffen.

Buchenau. „Heinz, hörst du mich?“ Wenn Peter Schaaf sein Funkgerät anschaltet und in den Äther ruft, um Gleichgesinnte in der ganzen Welt zu erreichen, ist der 74-jähriger Buchenauer in seinem Element.

Der begeisterte Amateurfunker spricht von einer „Faszination, die eigentlich kein Mensch erklären kann“.

Logisch, Schaaf könnte auch zum Telefonhörer greifen, schnell eine SMS tippen oder eine E-Mail versenden. Aber wie langweilig ist das doch im Vergleich zum Amateurfunk, wenn der Buchenauer die meterhohen Antennen auf dem Dach ausrichtet, an seinem Kurzwellen-Gerät dreht und dabei immer die Sonnenfleckenaktivität im Blick behält, um den besten Empfang zu haben. Funken macht einfach viel mehr Spaß, findet der 74-Jährige.

Vor vielen Jahren habe zunächst sein Sohn ein Interesse am Amateurfunk entwickelt, später kam die Tochter dazu. „Dann saßen wir zu dritt vor den Geräten“, erinnert er sich. „Bei meinen Kindern ist das Hobby irgendwann eingeschlafen, aber ich war fasziniert.“ Bis heute sendet Schaaf sein „CQ“ in den Äther; das steht für „Seek you“ („Ich suche dich“). „Da meldet sich dann jemand oder auch nicht.“

Nato-Alphabet

Außerdem kann er sein eigenes Rufzeichen durchgeben, das ihn identifiziert: D O4 SP. „Delta Oscar Vier Sierra Papa“, so zitiert Schaaf das Nato-Alphabet, damit die Funker ihn besser verstehen. Ein solches Rufzeichen erhält nur, wer eine Lizenzprüfung abgelegt hat.

Schaaf hat nur die kleine Lizenz: „Für die große muss man gut in Mathe sein und Formeln über Formeln beherrschen.“ Das habe ihm aber noch nie sonderlich gelegen, erklärt er lachend.

Wenn Schaaf anruft, dann weiß er oft nicht, wen er am anderen Ende erreicht. Er kann in Tschechien, Italien oder New York landen. „Das ist das Faszinierende. Ich kann mit jedem Menschen in der ganzen Welt Kontakt aufnehmen.“ Und nicht nur das: Wenn die Bedingungen gut sind, klappt sogar die Verbindung zur ISS-Station in 400 Kilometern Höhe über der Erde.

Schaaf sammelt zudem sogenannte QSL-Karten, mit deren Post-Versand Funkamateure eine erfolgreiche Funkverbindung bestätigen. Der Buchenauer hat unzählige, welche aus Australien und Kanada, sogar aus Libyen und Hawaii. Jeden Morgen nimmt er teil an einer festen Funker-Runde mit Teilnehmern etwa aus Tschechien, Frankreich und der Schweiz. „Wir sprechen über Gott und die Welt. Häufig tauschen wir uns über das Wetter aus.“ Nur bei den Themen Politik und Religion müsse man vorsichtig sein, sagt er augenzwinkernd.

Die Amateurfunker haben so etwas wie einen Ehrenkodex, erklärt Schaaf. Denn der Amateurfunk diene der Völkerverständigung, er stehe für Weltoffenheit, Menschlichkeit, Toleranz, Hilfsbereitschaft und Technikbegeisterung.

Von Sabrina Mehler

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